Band 
III. Teil.
Seite
114
JPEG-Download
 

114

Zur römischen Geschichte.

Sprache hatte, seien die übrigen Glieder darüber unwillig geworden,daß durch ihre Sorgfalt, durch ihre Arbeit und Dienstleistung nur für denMagen alles erworben werde, daß der Magen, im Mittelpunkte ganzruhig, weiter nichts tue, als daß er der verschafften Vergnügungen ge-nieße. Sie hätten sich hierauf verabredet, die Hände sollten keine Speisean den Mund bringen, der Mund keine mehr aufnehmen und die Zähnekeine mehr zermalmen. Indem sie nun so im Zorne den Magen aus-hungern wollten, seien zugleich die Glieder selbst und der ganze Körperin völlige Auszehrung verfallen. Hieraus fei es ihnen deutlich geworden,daß auch des Magens Dienstleistung nicht untätig sei und daß er ebenso-wohl nähre, als genährt werde, indem er das durch die verdaute Speisegezeitigte Blut, durch das wir leben und gedeihen, gleichmäßig durchdie Adern verteilt, in alle Körperteile zurückgebe. Durch die Anwendungdes Gleichnisses — wie nämlich der innerliche Aufruhr des Körpers derErbitterung der Plebejer gegen die Patrizier so ähnlich sei — soll er dieStimmung der Leute geändert haben. — Man begann hierauf, über dieEinigung zu unterhandeln, und ging auf die Bedingungen ein, daß dasgemeine Volk seine eigenen hochheiligen Obrigkeiten haben solle, denendie Hilfeleistung gegen die Konsuln obläge, und daß kein Patrizier diesesobrigkeitliche Ämt bekleiden dürfe. So wurden denn zwei Volks-tribunen erwählt: Cajus Licinius und Lucius Albiuus.

29. Die Gallier in Ruin (390).

(Diodor XIV, 114-116.)*)

Mit mehr als 70000 Mann zogen die Kelten gerade auf Rom los.Die Kriegstribunen der Römer bewaffneten auf die Nachricht von demAnrücken der Kelten alle dienstfähige Mannschaft. Sie zogen mit ge-samter Macht aus, gingen über den Tiber und führten ihre Truppenlängs des Flusses 80 Stadien weit. Als sie nun hörten, daß die Gallierin der Nähe seien, stellten sie das Heer in Schlachtordnung. Mit 24000Mann der Tapfersten besetzten sie den Platz vom Fluß bis zu den An-höhen; auf die höchsten Berge aber stellten sie die Schwächsten. DieKelten, die ihre Schlachtreihe weit ausdehnten, stellten, sei es durch Zu-fall oder aus Vorbedacht, die besten Truppen auf die Berge. Aus beidenSeiten gaben die Trompeter zu gleicher Zeit das Zeichen, und mitlautem Geschrei gingen die Heere ins Treffen. Die auserlesene Mann-schaft der Kelten, die den schwächsten Truppen der Römer gegenüber-stand, vertrieb diese mit leichter Mühe von den Bergen. Da sie in ge-drängten Scharen den Römern in der Ebene zuflohen, so gerieten dieReihen derselben in Unordnung, und voll Schrecken ergriffen sie dieFlucht vor den heranstürmenden Kelten. Die meisten eilten längs des

*> Übersetzung nach F. A. Stwth