Der Orient.
Das Alter des Menschengeschlechts wird verschieden geschätzt, von25000 bis zu 3 Millionen Jahren. Die ersten greifbaren Spuren einerKultur fallen in einen Zeitraum von 15000—2500000. Die ältestenZeugnisse menschlicher Kultur gehören dem äußersten Westen an (Fundein Südfrankreich, besonders in der Dordogne, und in Nordspanien, be-sonders in der Grotte von Altamira). Ob eine Wanderung der Kulturvon Westen nach Osten stattgefunden hat, läßt sich noch nicht bestimmtnachweisen. Die ersten größeren Kulturstaaten, von denen wir ge-nauere Kenntnis haben, bestanden im 4. Jahrtausend im Niltale undam Unterlaufe von Euphrat und Tigris: Ägypten und Babylon.
I. Ägypten.
a.) Land: Die völlige Abgeschlossenheit zwischen schluchtigen Wüsten-platten, dem Katarakt bei Syene (jetzt Assuan) und dein Mittel-meer war günstig für staatliche Einheit und eigentümliche Kultur-entwicklung; jährlich düngende Nilüberschwemmung und Anzapfungdes Flusses durch Schöpfräder und Kanäle ermöglichte ergiebigenAckerbau, dieser wieder kulturerzeugende Volksverdichtung (Arbeits-teilung, Mitteilung, Gesetze). „Ägypten ein Geschenk des Nils."
5) BolkZ: Härmten.
«) Politisches Leben: Erblicher absoluter König, Sohn desSonnengottes Re, hochgeehrt, von den Hebräern Pharao?) ge-nannt. Zahlreiches, gut ausgebildetes Beamtentum. GroßeEinkünfte aus dem Königsgut, der Kriegsbeute, den Tributen,Gold- und Silberbergwerken in Nubien und den Kupfergrubenam Sinai. Streng voneinander geschiedene Kasten bildeten sicherst in der letzten Zeit der Selbständigkeit Ägyptens als Folge
1 Noch erhalten in den Fellachen und Kopten.
2) Der Titel Pharao hängt mit xs-r-o, ägyptisch „Großhaus" (hebräische Wie-dergabe pdar-o), Bezeichnung für den königlichen Hof, zusammen; den Namendes Königs selbst auszusprechen, war nicht üblich. Bgl. die Hohe Pforte.