3o
TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS
der auf das Kapitol steigt, daherfahren sehen, wie er eine Art UngeheuernKasten auf das Feld führte ; der letztere verbreitete von weitem schoneinen so durchdringenden Geruch, dass man über seinen Inhalt nichtlange im Unklaren bleiben konnte. Man möchte aber meinen, der Bauerkomme um so stolzer einher, je schlechter das Zeug riecht.
Ebenso gehen auch die Frauen nicht etwa in den geschildertenmalerischen Anzügen zur Feldarbeit. Bei dieser tragen sie nur einige alteRöcke und kräftige Schuhe und es stört sie nicht, dass jedermann ihreblossen Arme und ihren kräftigen Hals sehen kann. Es muss aber hinzu-gefügt werden, dass sich bei bestimmten Arbeiten, wie zum Beispielbei der Getreideernte und beim Heumachen, doch eine gewisse Koketterieim Anzuge geltend macht: breite Strohhüte mit Ausputz aus roterWolle, blendend weisse Schürzen und ebenso weisse, über der Brustgekreuzte Halstücher geben den Mädchen und Frauen ein ganz elegantesund überaus sauberes Aussehen.
Wo ist nun der Ursprung dieser Trachten zu suchen ? Von wem sindsie eingeführt, wie sind sie auf dem Lande verbreitet worden ? Das sindFragen, die keineswegs leicht zu beantworten sind.
Ist wohl irgend ein Kostüm in letzter Linie auf einen anderenUrsprung als das legendenhafte Feigenblatt zurückzuführen, mit dem unsereStammeltern sich begnügten, als sie aus dem Paradiese vertrieben waren ?Ist jemals eine Tracht in einer Gegend so ganz auf einmal eingeführtworden, wie man mit einigen kräftigen Hammerschlägen einen Nagel inein Brett eintreibt? Ich denke nicht. Wir sehen fortwährend, wie in denStädten die Geschmacksrichtungen Tag für Tag entstehen und sichverändern; in diesem Punkte wie in so vielen anderen, folgen sich dieJahre, gleichen sich aber nicht, und in den Dörfern ist es im Grundegenommen auch nicht anders als in den Städten. Die Mode beherrschtals unsterbliche Königin die ganze Welt, ihre Launen werden zum Gesetz;alles beugt sich vor ihr, die Amazonen von Dahome so gut wie unsereverwöhntesten Weltdamen. Dass und wie die Geschmacksrichtungen sichim einzelnen verändern, ist leicht zu verstehen. Für diejenigen Leute,die nichts anderes zu thun haben als mit der eigenen Person sich zubeschäftigen, sind die Eitelkeit, die Koketterie, die Eigenliebe ausschliesslichmassgebend. Die Mode bemächtigt sich ihrer ganz besonders und nimmtsie vollständig in Beschlag; die Sucht zu glänzen, die anderen zuverblüffen, es ihnen zuvor zu thun, dazu ein bischen Feinheit des Geistes