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Trachten und Sitten im Elsass / Text von A. Laugel ; Illustrationen von Ch. Spindler
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TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS

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sFeldseppe-Jüss (Joseph), sBüüremüllers,

sSchorsche-Miscb, sDoppelmärtels (in Dachstein, heisst eigentlich

sBecke-Lenze, Martin Martin, daher Doppel-Märtel),

sOlmes, sBohnewolltls.

Unter diesen Hofnamen findet sich eine gewisse Zahl, bei deneneinem Zunamen einfach ein Vorname angehängt ist: Weisshans, Riehl-hans, Lutzhänsel. Diese Bezeichnungen sind ohne weiteres verständlich.Wo mögen aber so sonderbare Spitznamen wie sSchneckebellers,sDeckebüüre, sDerrebüüre, sDerrebüüre-Decker u. dgl. herrühren?Wie kommt es, dass in Ausdrücken wie sOelhanse, sSchuehmacherhanseu. s. w. das Handwerk für den Spitznamen herangezogen wird ? Warumwerden hier nicht auch die Namen der ursprünglichen Besitzer genommen?Wir haben früher schon darauf hingewiesen, dass eine gewisse Schlauheitund Schalkhaftigkeit zum Karakter des Bauern gehören und dass ergerne alle Sonderbarkeiten aufgreift, die ihm in die Augen fallen. Dazukommt dann noch ein weiterer Umstand. In jedem Dorfe findet sich einFamilienname, der besonders verbreitet ist, so dass manchmal ein Viertelder Einwohnerschaft den gleichen Namen trägt. Wie soll man diesealle aus einander halten? Auch mit Beifügung des Vornamens würdeman da nicht zurechtkommen ; und selbst wenn man den Vornamen desVaters zu den anderen Bezeichnungen hinzunimmt und auch sonst alleVorsicht gebraucht, lassen sich Verwechslungen nicht vermeiden. Dahilft eben nur das System der Spitznamen. Der Spitzname ist einfachein neuer Name, der allen Dorfgenossen wohlbekannt ist ; er tritt ganzund gar an die Stelle des alten, den man überhaupt nicht mehr anwendet,da er doch nur Anlass zu Missverständnissen geben würde. Auch dieserneue Name geht dann von dem Besitzer auf den Besitz selbst über undüberlebt alle persönlichen Veränderungen. Das zeigt uns wieder einmal,wie geschickt und wie konservativ der Bauer in seinen Lebensgewohn-heiten ist. Durch alle Jahrhunderte hindurch, trotz tiefgreifender Ver-änderungen aller Art hält er an diesen uralten Bezeichnungen fest, derenUrsprung und Sinn er selbst manchmal nicht mehr zu erklären wüsste.Was heisst zum Beispiel « sOlmes» ? Das ist ein sehr alter Hofname inBrumath; die Leute, die mit ihm bezeichnet werden, heissen inWirklichkeit Strohl. Der Name kommt offenbar von Almen oder Almendund ist ursprünglich jedenfalls mit dem Wort «Büüre» verbundengewesen, also « sOlmesbüüre », das heisst derjenige Bauer, der Almend-