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Trachten und Sitten im Elsass / Text von A. Laugel ; Illustrationen von Ch. Spindler
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TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS

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Endlich :

General de brigade , baron de FEmpire, commandeur de la Legion d'honneur. 1

Schramm war als Junge Viehhirt in seinem Heimatsdorfe; Kirmann,der kaum lesen und schreiben konnte, wird in Bischofsheim vor seinemEintritte zum Militär kaum eine hervorragende Stellung eingenommenhaben, und nicht anders stand es mit Müller in Epfig und Offenstem inErstein. Ist es da nicht ein rührender Zug, wenn diese tapferen Helden inihrem Alter ruhmbedeckt in ihre bescheidene Heimat zurückkehrten , uminmitten ihrer Landsleute zu sterben ? Einer der merkwürdigsten Fried-höfe in dieser Hinsicht ist der in Neuweiler, wo neben dem Denkmaldes Marschalls Clarke, Herzogs von Feltre, sich noch jene der Generälevon Mandeville, Dorsner und Pradal, der Obersten Scherb und Klipfel,und des Lieutenants Stöckle erheben. Diese Offiziere scharen sich hierum ihren Führer, wie wenn sie auch jetzt noch seine Befehle erwartenund tapfer ausführen wollten. (Marschall Clarke hat von KaiserNapoleon I. das Schloss und die Herrschaft Hüneburg bei Neuweilerzugewiesen erhalten : diese Freigebigkeit des Kaisers gegen seinen Kriegs-minister hat es mit sich gebracht, dass Neuweiler die sterblichen Überrestedes Marschalls in seinen Friedhof aufzunehmen hatte.)

Der Bauer sieht seinem Hinscheiden aus diesem in ein besseresLeben mit vollendetem Gleichmut entgegen. Wie früher schon erwähnt,hat der Tod nichts Schreckliches für ihn. Er unterwirft sich diesemharten Naturgesetze gerade so, wie er die Stürme über sich ergehenlässt, die seine Felder verwüsten und seine Ernte vernichten. Wenn ereinmal nicht mehr arbeiten kann, weiss er recht wohl, dass der letzteAugenblick nahe ist, und er trifft für die letzte Reise die erforderlichenVorbereitungen.

Bei Schilderung der Hochzeitsbräuche haben wir gesehen, wieschwer sich manchmal bei der Festsetzung der Mitgift ein Ausgleichder verschiedenen Interessen herbeiführen lässt. In ähnlicher Weisewerden auch bei Sterbefallen die Erbschaftsfragen lang und breit ver-handelt, was nicht selten zu peinlichen Auftritten führt. Die höherenund gebildeteren Klassen der Gesellschaft geben so viele Beispiele vonHabsucht und Ungerechtigkeit, dass man sich nicht wundern darf, wenn

* Brigadegeneral, Reichsfreiherr, Kommandeur der Ehrenlegion. (Offenstein in Erstein.)