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Trachten und Sitten im Elsass / Text von A. Laugel ; Illustrationen von Ch. Spindler
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TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS

Dabei werden nicht selten auch gewisse Drohungen in diese Liedereingeflochten, wie zum Beispiel:

Wenn dr uns Eier wann ga,

So seil euch dr Iltis dHianer all na.

Wenn dr uns ka Änka wann ga,

So seil euch dKüah Milch me ga.

Wenn dr uns ka Mahl wann ga,

So seil euch dr Müller shalba drvo na.

ln Osthausen gingen früher die Knaben am 1. Mai in den Wald.Einer von ihnen wurde da mit grünen Zweigen und Blumen umwunden,so dass man nichts von ihm sah als das Gesicht und dieses wurde mitMehl gepudert. Dieser Knabe wurde dann von den andern im Triumphdurch das Dorf geführt. Voran ging einer mit einem grünen Baum-zweig. Ein anderer trug einen Korb und sammelte Eier. Diesen mitZweigen und Blumen geschmückten Knaben nannte man <l das Mai-männchen Und genau die gleiche Sitte bestand früher auch in Tagols-heim bei Altkirch.

Die Walpurgisnacht vom 1. auf den 2. Mai gilt als besondereFestnacht der Elexen, die sich in ihr auf einem Gipfel der Berge ver-sammeln. Dieser Volksglaube, der auch sonst allgemein verbreitet istes braucht ja nur an Goethes Faust erinnert zu werden, hat bei unsim Eisass Anhänger genug. Besonders zahlreich kommen hier die Hexenin der Nähe von Ammerschweier zusammen und man kennt dort sogardie Zauberworte, mit denen sie sich auf ihrem Besenstiel in die Luftschwingen: «Fahr hi, fahr a, stoss nirgends a, mach dass du in derZit dort bist. Nimm die Besen, sitzt druf und fahr ab!» Indem siediese Worte sprechen, reiben sie sich gleichzeitig mit einer teuflischenSalbe ein, von der sie so leicht werden wie eine Feder.

Am Dreifaltigkeitstage, der am ersten Sonntag nach Pfingstengefeiert wird, pflegt man während der Messe Salz weihen zu lassen.Jede Familie setzt auf den Altar ein kleines Salzgefäss nieder, in daseinige Blumen gesteckt sind. Dieses geweihte Salz wird als Heilmittelgebraucht und insbesondere dem Futter oder dem Trank der Haustierebeigemischt.

Besonders lebhaft geht es an St. Johann (24. Juni) zu. Am Vorabendwerden grosse Feuer angezündet, an Punkten, wo sie recht weit in dieFerne hinausleuchten. Wie wir später noch sehen werden, hat man