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Trachten und Sitten im Elsass / Text von A. Laugel ; Illustrationen von Ch. Spindler
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150
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TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS

Flammenbogen beschreiben. Dieses Spiel heisst man «Scheiben schlagen».Jede Scheibe, die auf diese Weise geschleudert wird, gilt einem jungenMädchen, dessen mit folgenden Worten gedacht wird :

Schiwog, Schiwog,

Die Schieb hob i gemohlt,

Se fäl rt über den Rhin,

Kommt wieder herin,

N. N. (Name des Mädchens)

Ins Lädle rin !

Wir haben schon erwähnt, dass die Knaben über das Feuer springen,wenn nur mehr glühende Kohlenhäufchen vorhanden sind. An manchenOrten pflegten früher die erwachsenen Burschen und Mädchen Hand inHand über das Feuer hinwegzusetzen und dabei den Sprung so hochwie nur möglich zu nehmen; oft genug kamen bei diesen gewagtenSprüngen Unglücksfälle vor, weshalb diese Sitte immer mehr ver-schwindet.

In Urbeis, im Weissthal, sucht man einen möglichst dichten Rauchzu erzeugen, indem man feuchtes Holz oder feuchtes Stroh auf das Feuerwirft; wenn dann das Vieh durch diesen Rauch und Qualm hindurch-getrieben wird, bleibt es das ganze Jahr hindurch gegen alle Krankheitengeschützt.

Schliesslich mag noch erwähnt sein, dass am Johannestag der Nuss-likör angesetzt werden muss, den man in jedem elsässischen Hauseantrifft : die ganze Kraft, die man ihm zuschreibt, bekommt er nur,wenn seine verschiedenen Bestandteile gerade am 24. Juni zusammen-gemischt werden.

Endlich gilt aber Sankt Johann auch noch für einen Unglückstag,an dem nach altem Volksglauben einer ertrinkt, einer sich aufhängtund einer verbrennt. In diese bedenkliche Eigenschaft teilt er sich mitdem Heinrichstag (1$. Juli) und dem Dreifaltigkeitsfeste.

Mit Sankt Johann ist die Reihe der Feste mit mehr oder wenigerkirchlichem Karakter zu Ende. Kaum Spuren von öffentlichen Ver-gnügungen finden sich noch am 29. September (Sankt Michael) und am11. November (Sankt Martin). Diese Tage, die in früheren Zeiten mitFreudenfeuern und grossen Festlichkeiten begangen wurden, machenheute unsern Bauern keine Freude mehr ; am 29. September werdendie Knechte und Mägde gedungen und abgelohnt und am it. November