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Trachten und Sitten im Elsass / Text von A. Laugel ; Illustrationen von Ch. Spindler
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151
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TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS

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muss der Pächter dem Eigentümer den Pachtbetrag abliefern. Immerhinaber trifft man im Sundgau noch gelegentlich eine Art von Volksfestenum Sankt Martin herum. Dieselben haben den Namen «Bürekilbe»;man tanzt und lässt sich Backwerk schmecken.

Mariä Himmelfahrt (if. August) und Allerheiligen mit Allerseelengeben zu keinen bemerkenswerten Veranstaltungen Anlass ; nur werdenan dem genannten Marientage während der Messe Sträusse von Feld-blumen geweiht, die man dann im Hause, in den Scheunen und Ställenverteilt. Höchstens könnte man hier noch ausdrücklich hervorheben, wiegeschickt die Kirche für das Gedächtnis der Toten die richtige Jahres-zeit herausgesucht hat; das zur Neige gehende Jahr, der trübe Anblickder erstarrenden Natur, das Herannahen des langen Winters, all daspasst vortrefflich zu der. Stimmung, mit der man sich der Erinnerungan all die Lieben hingiebt, die man im Laufe der Zeit verloren hat.

Nunmehr kommen wir zu Weihnachten, dem volkstümlichsten allerKirchenfeste, wegen seines ausgesprochenen ländlichen Karakters undwegen der Grösse des Geheimnisses, dessen Feier es gewidmet ist.

ln Frankreich war der Ruf «Noel ! Noel!» der Ausdruck derhöchsten Freude, wenn ein aussergewöhnliches Ereignis die Volksmengeerregte. Bewundernswert sind die Reinheit und die reizvolle Einfachheitan gewissen alten Weisen, die man einstmals zur Feier von ChristiGeburt gesungen hat. Die unumgängliche Begleitung dieser alten Weih-nachtsgesänge ward von den näselnden Tönen des Dudelsacks besorgt,der vor allen andern als das eigentliche ländliche Instrument gelten darf;und heute noch wird der einfache Dorforganist, wenn er bei der Mitter-nachtsmesse, je nach seiner Begabung, auf der Orgel phantasiert, in derRegel mit Vorliebe die Oboe- und Klarinettenzüge benutzen. Weih-nachten ist eben ganz und gar ein ländliches Fest: im einfachen Stalle,zwischen Ochs und Esel, den bescheidensten unserer Haustiere, istder Heiland zur Welt gekommen, und die armen Hirten waren dieersten, die ihn anbeten durften.

Nicht leicht hat etwas so eigenartigen Reiz wie die Mitternachts-messe. Man sitzt gemächlich um den warmen Ofen herum, der feierlichenStunde harrend, und wenn dann endlich die Glocken ertönen, schlüpftjeder in sein wärmstes Gewand und macht sich, mit einer Laterne aus-gerüstet, auf den Weg nach der Kirche. Schnee bedeckt den Bodenund der Rauhfrost auf den Baumzweigen erglänzt zauberhaft in den