TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS
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meines Erachtens einfach auf den Apollo-Mythus zurückgeht. Die heiligeApollonia erscheint hier als die Tochter des Stammvaters der Rittervon Boll oder Bollen, der Herren des Bollenberges. Sie spielt alsohier die gleiche Rolle wie weiter nördlich die heilige Odilie, diePatronin des Elsasses, an den Orten, die dem Odin geweiht waren,wie sie uns ganz ebenso auch in der Nähe von Freiburg, in derKapelle am letzten Abhang des Rossberges begegnet, von dem derSage nach ungebändigte Pferde zu Ehren des genannten Gottes indie Tiefe gestürzt wurden.» Wenn also, wie erwähnt, angenommenwird, dass bei den südlichen Völkerschaften, aus denen die Kelten her-vorgingen, die Verehrung der Sonne, bei den nördlichen aber die derLuft und des Windes im Vordergründe stand, so scheint sich für dieseAuffassung in unserem eigenen Heimatlande eine neue Bestätigung zuergeben.
Thatsächlich wird von den Historikern, die sich mit den erstenAnfängen der elsässischen Geschichte näher befasst haben, übereinstim-mend angenommen, dass lange vor dem alemannischen Einfall undauch schon vor dem Vormarsch der römischen Legionen an den Rhein-strom ein germanischer Stamm, die Triboker, diesen Fluss überschrittenund weite Gebiete in dem heutigen Untereisass in Besitz genommenhaben L Diese Triboker haben nun sicherlich ihre religiösen Vor-stellungen mit in das Land gebracht, und da sie zu den nördlichenVölkerschaften gehörten, werden sie nicht die Sonne, sondern dieLuft, den Wind verehrt haben. Wodan (Wind) oder Odin war derHauptgott des germanischen Olymps; er war, wie Abbe Braun sichausdrückt, die Seele, der belebende Hauch, der alles bewegt undbeseelt und erfüllt. «Er ist insbesondere die Verkörperung von Wind
1 Bei dem Zustande, in dem sich damals die Gegenden befanden, kann der waldbedeckte Gebirgs-zug der Vogesen inmitten der ungeheuren Waldungen, die das östliche Gallien überhaupt bedeckten,unmöglich die Bedeutung einer wirklichen Grenze gehabt haben. Ganz anders bei einem mächtigen Stromwie der Rhein, von dem man in jenen Zeiten wohl so gesprochen haben wird, wie wir heutzutage etwa vondem Niger in Afrika reden, ohne uns um seine Uferverhältnisse im einzelnen zu kümmern. Die weitereGrenze zwischen Nord und Süd kann dann recht gut ungefähr der Linie entsprochen haben, die nochgegenwärtig Ober- und UntereL-ass trennt. Das Land nördlich davon haben die Triboker den keltischenMediomatrikern abgenommen, im Süden verblieben die keltischen Sequaner in ihrer bisherigen Herrschaft.Als dann die Römer in das Land kamen, behielten sie die Vorgefundene Einteilung bei. Und noch später,nach dem Sieg des Christentums, wurde bei der Zuweisung des Landes an die Bistümer wiederum jeneuralte Einteilung zu Grunde gelegt: das Land nördlich von dem Landgraben gehörte zu Mainz, das Landsüdlich zu Besangon.