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TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS
mächtigen Dache überdeckt ist; die Ställe befinden sich in kleinenGebäuden, die mit dem Wohnhause nicht Zusammenhängen. Die Höfesind mit einer Umzäunung versehen, die in der Nähe des Rheinsvielfach aus geflochtenen Rohrstengeln, Binsen oder Weidenrutenbesteht, mehr von dem Flusse entfernt aber aus einer Mauer, zu derenHerstellung man grosse Kieselsteine verwendet. In der Umgebungvon Neubreisach, einer Schöpfung Ludwigs des XIV., giebt sich derfranzösische Einfluss auf die Bauweise in den zahlreichen Mansarden-dächern deutlich zu erkennen. An der Vorderseite der Häuser, dieunmittelbar auf die Strasse gehen, liegen fast überall grosse Baum-stämme auf dem Boden, die am Sonntag den Dorfgenossen als Sitz-gelegenheit dienen. Da ruhen die Männer in Hemdärmeln aus undrauchen ihre Pfeife, die Frauen stützen die Hände auf die Knie; beidereden nur wenig, nur hie und da tauschen sie kurze Bemerkungenaus und begnügen sich im übrigen, neugierig die wenigen Fremden zubetrachten, die vorübergehen.
Je mehr man aber gegen Norden kommt, um so fruchtbarer wirdder Boden und um so stattlicher das Aussehen der Bauernhäuser: siesind von geräumigen Höfen umgeben, mit grossen Vorhallen ausge-stattet, und hie und da sind recht malerische Einzelheiten von länd-licher Architektur wahrzunehmen. In Fachwerk erbaut , weisen sieoftmals zwei Stockwerke und eine Art von Loggien oder Baikonenauf, an deren Geländer im Herbst die goldenen Maiskolben hängen.Denn wir sind hier im klassischen Lande der Gänsezucht: die durcheine bestimmte Nahrungsweise künstlich vergrösserten Gänselebernliefern die bekannten Pasteten, die einen Stolz der Stadt Strassburgbilden. Nicht selten trifft man auf den Strassen ganze Herden, mehrereHunderte dieses Geflügels an, deren ununterbrochenes Schnattern manschon aus der Ferne hört. Den Kopf hochgereckt kommen die Gänselangsam heran, nur mühsam zusammengehalten durch einen Burschen,der eine lange Gerte in der Hand trägt und von einem stetskläffenden, hin und her rennenden Spitze begleitet ist.
Im allgemeinen machen diese Gänsehirten der Menschheit keinebesondere Ehre; wenn es schon Hirten gegeben hat, die es bis zumPapste gebracht haben, so glaube ich nicht, dass Gänsehirten daruntergewesen sind. Sie sind gewöhnlich rechte Stiefkinder der Natur.Klein, hässlich, mit unförmlich grossem Kopfe, wulstigen Lippen,