Das Silber.
(TNctf Silber / Argentum / hat seinen Namen vom griechischen äpppiov, einigeleiten es von dmö toö apyoS (vom Weißen) ab, weil seine hervorragende Farbeweiß, sowie die des Goldes gelb ist. Man will es dem Monde geweiht haben. Jenes,das noch nicht mit Feuer behandelt wurde und das sofort es selbst ist, nennt Gellius reinund gediegen (purum purum); Pompejus bezeichnet es als lauter und in jedem Teileecht (merum er omui xarre verum); jenes aber, das erschmolzen und gereinigt ist,nennt Martial Bläschensilber (pubrularum) und eine aus solchem Silber erzeugteSchale ein glückliches Blaschen (pubrulam felicem). Das Silber wird entweder — undzwar meistenteils — gegraben oder es wird — aber sehr selten — in den Flüssen gefunden;es ist nicht bekannt, daß dies bei uns geschehen sei. Als Flüsse aber, in denen es in Indiengefunden werden soll, werden von Plinius der Ganges und der Cophos genannt. DieDichter nennen die Flüße Peneus, Eridanus, Erymanthus, Achelous und andere ap7vpo8lva?(silberwirblige) von ihrer klaren und ungetrübten Farbe. Es ist nicht zweifelhaft, daß es durchWaschen und Schmelzen aus dem Sande, insbesondere jener Flüsse gewonnen werdenkann, die metallisches Erdreich durchstießen. Kein Metall ist an Farben verschiedenartiger,so daß darin ein wunderbares Kunstwerk der Natur erscheint. Seine Farbe ist abermitunter durchscheinend, so die des roten und leberfarbigen Silbererzes, jenes gleichteinem Rubinedelstein, dieses hat ein hornartiges Licht und ist einem Carneol sehr ähnlich.Mitunter ist sie nicht durchscheinend, so jene des weißen, schwarzen, gelben, grauen, purpurnroten, grünen oder bleifarbigen Silbers. Seltener ist das leberfarbige, wovon einst zuFreiburg, jetzt zu Marienberg im dreiundzwanzigsten Grubenmaße der heiligen Elisabeth sogroße Mengen gefördert wurden, und sehr selten ist das zu Annaberg in jenen reichen undgesegneten Adern „vom himmlischen Heere" gegrabene grüne. Es ist daher nicht richtig,was der Dichter Horaz singt: „Das Silber hat keine Farbe".
Das rohe noch nicht ausgeschmolzene Silber wird gleichwohl manchmal mit demHammer bearbeitet und geprägt, so wie das Rohsilber von Bleifarbe, aus dessenreinem Stoffe der ausgezeichnete Künstler Kaspar Ulrich, Bürger von Joachimsstadt,ein vortreffliches Werk schuf, Christi Auferstehung auf der einen, den Sieg Karl V.über den König der Gallier auf der anderen Seite. Einen Ring aus demselbenMetalle schenkte mir der ehrenwerte Mann David Hüter, mein ehemaliger Schüler.Ebenda erscheint leberfarbiges Silber geprägt in unserem Metallkörper. Es hat aberdie Weichheit des Bleies und eine eigentümliche Schmelzbarkeit, so daß es an einerKerze zerfließt und auf Feuer gegeben sich verflüchtigt; langsam geschmolzen, fließt esnicht anders als Blei; auf Gips gegossen wird es wegen seiner geistigen Subtilität
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