Buch 
Quellenschriften zu den frühesten Anfängen der Photographie bis zum XVIII. Jahrhundert : mit fünf heliographischen Porträten, zwei Lichtdrucktitelblättern und diversem Buchschmuck / herausgegeben und mit Erläuterungen versehen von Hofrat Dr. Josef Maria Eder
Entstehung
Seite
67
JPEG-Download
 

über die Farben

nicht verzeichnet sind; es wird uns jedoch ein Fall dieser Art überliefert, von einemkleinen amerikanischen Fischchen oder Meerinsekt, den eimge von den UnserenPurpurfisch (muricem piscem) nennen, mag auch dessen Bau, soweit ich nacheinem im toten Zustande gesehenen urteilen konnte recht eigentümlich sei Obwohl ernämlich eine mittlere Länge zwischen ein und zwei Zoll hat und wie tch mutmaßte,einen Zoll mehr in der Breite, erinnerte seine Bedeckung doch vielmehr an ,ene emesInsektes als an jene eines Muscheltieres; sie bestand nämlich aus vielen hartenSchalen, die oben ineinanderlagen, ähnlich den Schuppen )ener Art Insekt das mden Offizinen Tausendfüßler genannt wird. Von diesem Purpurfische versichertemir ein sehr wißbegieriger und glaubwürdiger Mann, er habe m Indien am Meeres-ufer einen derselben lebend gesehen und der Saft desselben,, der ihm die Hand be-sudelte, erschien auf dieser zuerst grün, dann blau; nachdem die Farbe dann zu Purpurentartet war, endete sie in schönem Rot. Diese Erzählung von emer spater einge-tretenen Entartung der Farben hat kaum ihresgleichen, besonders wenn wir die Um-stände hinzufügen, daß er, als ich zu wissen wünschte, ob derselbe Saf auch andereDinge, als die Haut der Hand färben würde, von der ich argwohnte, ihr besondererBau und ihre Wärme hätten zu jener Wirkung beitragen können, versicherte, er habe,nachdem er mit seinem Taschentuchs den Saft wegwischen wollte, gefunden, daß nichtnur das Taschentuch von dem Safte in gleicher Werft gefärbt war, sondern daßdie Farbe auch auf der Leinwand haftete und nicht ausgewaschen> werden könn e;welch letzterer Umstand, so wunderbar er scheint, ich für unglaublich zu halten dadurchverhindert werde, daß einst ein Fürst, der sowohl durch Sachkunde als durch sernmonarchisches Szepter den Namen Augustus verdient, sich einmal würdigte, dergegebener Gelegenheit, als ich wagen durste, ihm eine Arbeit "ber den Purpur anzu-bwten, mir von einem unbekannten Fische zu erzählen, der im ^ ^^ar^nlensgefangen und von den Fischern, die ihn erbeutet hatten, aber nicht wußten, welcherArt er sei, als Seltenheit Sr. Majestät dargebracht wurde. Der Saft dieses Fischesnun färbte eine von ihm befeuchtete Leinwand mit Purpur- oder Scharlachfarbe, dienicht ausgewaschen werden konnte. Und an anderer Stelle habe tch angemerkt, daßmir ein Verwandter den Ärmel seines Kleides zeigte, den ein Fisch, Eigentum emerebenfalls von mir verzeichneten Person, mit seinem Safte benetzt hatte; dieser Saft,obwohl anfangs grünlich, wurde spater, als man ihn auszuwaschen versuchte, schar-lachrot, eine Farbe, die er dann, wie ich selbst sah, beibehielt, wenngleich jenesKleidungsstück oft gewaschen und getragen wurde.

Damit ich nun aber, o Pyrophilos, zu dem zurückkehre, was ich vor Erwähnungdes Meerinsektes besprach, will ich hier hinzufügen, was ich schon damals andeutete,

67