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Quellenschriften zu den frühesten Anfängen der Photographie bis zum XVIII. Jahrhundert : mit fünf heliographischen Porträten, zwei Lichtdrucktitelblättern und diversem Buchschmuck / herausgegeben und mit Erläuterungen versehen von Hofrat Dr. Josef Maria Eder
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CARL WILHELM SCHEELE

Glase, und noch stärker, angezogen wird. Es erhellet zugleich hieraus, warumdas Auge die violetten Strahlen länger als die rothen betrachten kann, weiljedes Lichttheilchen in den rothen Strahlen mit etwas mehr Phlogiston ver-bunden, daher dieses Licht, wie zart es auch ist, aus grossem Theilchen, alsdas violette, bestehen muss, folglich auch eine grössere Wirkung auf unsereSehenerven zuwege bringen muss. Die violetten Strahlen reduciren das Horn-silber eher als die andern (§ 66). Es scheinet, dass da diese Strahlen von demPrisma stärker als die andern angezogen werden, sie sich nachgehends etwaslangsamer bewegen, daher die Silbererde ihre Anziehung hier länger verrichten,und folglich das violette Licht eher decomponiren kann.

Ich glaube demnach, dass jedes Lichttheilchen nichts anders ist, als ein zartesTheilchen Feuerluft, welches mit ein wenig mehr Phlogiston, als ein eben sozartes Theilchen Wärme hat, verbunden ist.

§ 7 °-

Die im Anfange des vorhergehenden § angeführten Erfahrungen, gebenmir Anleitung zu fragen: Warum das Licht ganz andre Eigenschaften zeiget,nachdem es von den Körpern angezogen, und dadurch die Haupteigenfchaftender Wärme erhalten hat.

Es wäre hierauf leicht zu antworten, wenn ich beweisen könnte; dass alleKörper das überflüssige Phlogiston vorn Lichte erhielten. Das thun aber nurwenige, und wenn solches wäre, müssten alle Körper, welche die Sonnen-strahlen eine Zeitlang getrosten, merkliche Aenderungen erlitten haben, welcheswir doch nicht bemerken. Eben so schwer ist auch die Erklärung, warumdie strahlende Hitze durch diejenigen Körper, welche dieselbe anziehen, inWärme verwandelt wird. Die chemischen Anziehungen, welche die wunder-barsten Veränderungen in den Körpern zuwege bringen, sind nur alsdannwirksam, wenn die Körper einander in allen möglichen Punkten berühren.Die Wärme, als eine Materie, kann keinen Körper durchdringen, sie hält sichbloss in dessen Zwischenräumchen auf. Sie berühret alsdann nur die Materiedes Körpers in sehr wenigen Punkten; wird mehr Wärme hinzugethan, soberühret sie ihn schon in mehreren Punkten; wird aber noch mehr gleichsam

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