Buch 
Quellenschriften zu den frühesten Anfängen der Photographie bis zum XVIII. Jahrhundert : mit fünf heliographischen Porträten, zwei Lichtdrucktitelblättern und diversem Buchschmuck / herausgegeben und mit Erläuterungen versehen von Hofrat Dr. Josef Maria Eder
Entstehung
Seite
169
JPEG-Download
 

Anmerkungen

8 Der Name Hermes Trismegistos wird im Altertum und Mittelalter als der eines hervor-ragenden Erfinders zahlreicher Zweige des Wissens genannt. Die Persönlichkeit ist sagenhaft; siegilt als Personifikation des ägyptischen Priestertums. DieSmaragdene Tafel des Hermes (Tabulasmaragdina Hermetis) gilt als Geheimschrift der Alchemie; ihr Wortlaut ist z. B. in SchmiedersGeschichte der Alchemie (1832, S. 28) abgedruckt (vgl. auch LatzDie Alchemie, Bonn 1869).Hermes Trismegistos wird auch mit dem ägyptischen Mondgott Thoth, dem Gott der Gelehrsam-keit und Urheber aller Wissenschaft und Künste, identifiziert, welcher auch als Erfinder der Alchemieund Magie galt. Die Griechen nannten ihn Hermes mit dem BeinamenTrismegistos der drei-malgrößte d. h. der allergrößte (vgl. Berthellot, Die Chemie im Altertum und Mittelalter, 1909).Hermetische Künste oderHermetische Philosophie ist soviel, wie Alchemie.

9 Eine ausführliche Zusammenstellung sehr zahlreicher alchemistischer Wörter und Signaturen findetsich imLexicon Pharmaceutico-Chymicum latino-Germanicum et Germanico-Latinum. Von JohannChristoph Sommerhoff Pharmacopoea Neo-Hanoviensi. Norimbergae. Anno 1713. G. W.Geßmann, Die Geheimsymbole der Chemie und Medizin des Mittelalters, mit 120 Tafeln, 1899.Albert Poisson, Theories et Symboles des Alchimistes (Collection douvrages relatives aux Scienceshermetiques). Bibliothek Charcornac. Paris 1891. Cosmology on Universal Science, Cabala,Alchemy. Copied and translated from an old German manuscript and provided with a Dictionaryof occult Terms by Franz Hartmann. Boston, Occult Publishing Comp., 1888.

10 Das in diesem Werke auf Seite 79 abgebildete Porträt Balduins ist einem Kupferstichevon Matthäus Küsell entnommen, welcher ein großes Porträt des Polyhistors, Theologen, Philologenund Philosophen Johannes Michael Dillherr in Kupfer stach und um dasselbe im Rahmensechzehn kleine Porträte verschiedener Gelehrter, darunter auch das Porträt Balduins anordnete.Der erwähnte Kupferstich befindet sich in der kaiserlichen Hofbibliothek in Wien.

11 Die Geschichte der Erfindung des Bononischen Leuchtsteines durch Casciarolowird von Peter Poterius (Pharmacopoea Spagyrica. Coniae, apud Matthoeum Smitz. 1624),Fortunius Licetus (Litheophosphorus s. de lapid. bononensi liber. Utini. 1640) und Wiegleb (Gesch.d. Chem., 1792, I., pag. 232) wie folgt erzählt:

Ein gewisser Bologneser, Scipio Bagatellus (oder Begatello) der von der alchemistischen Suchthart geplagt war, suchte überall Hilfe und kam unter andern auch 1602 an einen vormaligen Schuh-macher, Vincentius Casciarolo, der aber jetzt mit eben dieser Seuche befallen war. Dieserrühmte jenem vor, daß gewisse Steine am Berge Paderno die rechten solarischen Steine wären,welche die wahre Materie des philosophischen Steins enthielten. Dadurch wurde ersterer bewogen,solche auf allerhand Arten zu bearbeiten und verwendete in kurzer Zeit viel Geld darauf. Es kamaber dabei nichts weiter heraus, als daß zufällig die Beobachtung gemacht wurde, daß diese Steinenach einer gewissen Kalzinationsart die Eigenschaft zeigten, sowohl das Licht der Sonne als desMondes anzuziehen, und hernach im Dunkeln eine Zeitlang zu leuchten. Mit dem Leuchtsteinewurde von Bologna aus ein schwunghafter Handel getrieben. Zur Herstellung derSolarischenSteine" des Casciarolus diente der Schwerspat, welchen dieser Alchemist im Jahre 1602 auf demMonte Paderno, einem Hügel der Umgebung von Bologna, etwa 5 km von der Stadt, gefundenhatte. Der besagte Stein, der damals Bologneserspat genannt wurde, ist unser Schwerspat(schwefelsaures Barium); er findet sich in nierenartigen faserigen Gebilden in den Tonschiefern(argille scagliose), die im Bolognesischen sehr häufig sind; darin finden sich auch Gipskristalle.Beim Glühen des Schwerspates mit Kohle oder in inniger Berührung mit reduzierenden organischenSubstanzen (Eiweiß, Kohlenstaub etc.) geht er in phosphoreszierendes Schwefelbarium über. Man

169