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Der vollkommene teutsche Soldat, welcher die gantze Kriegs-Wissenschafft, insonderheit was bey der Infanterie vorkommt, ordentlich und deutlich vorträgt, und in sechs besondern Theilen die einem Soldaten nöthige Vorbereitungs-Wissenschafften, Künste und Exercitia, die Chargen und Verrichtungen aller Kriegs-Bedienten, von dem Mousquetier an bis auf den General; ... nebst einem Anhange von gelehrten Soldaten, Adel und Ritter-Stande, von Duellen, Turnier- und Ritter-Spielen, auch Ritter-Orden ec... / von Hannsz Friedrich von Fleming
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23
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Von der M ustque, Tantze N/ Fechten und Voutgmn.

Ne Courante, etltC Menuet ä' Anjou, eintPaüepied, und ÜÜZ Aimable Vainqueur

tantzen kan. iDieMenucts sind unter al-len die gewöhnlichsten Tantze, die sowohlan den Höfen der grossen Herrn,als auchbeyden Lustbarketten unter Privat-Per-Whnerr am allermeisten vorkommen. Nachdiesen sind die Englischen Tantze ziemlich^oäe,und werGelegenheit hat solche zulernen, thut nicht unrecht,wenn er sich mitdarauf applicirt. Bey den Tantzen mußUlan die beyden Extremen vermeiden, manUluß nicht allzusürchtsam und schüchtern,Ulld auch nicht allzufrech uild wilde dabey: Echjge sind so furchtsam und schlei-fn so sachre herum, als ob sie auf Eyernfugen, die sie nicht zutreten solten, andereAr machen huilderr tausenderley wilde«weilten undFahrten,wie dieMarckschreyer

alls den I heatro.

. §.4. Ist der Leib durch das Tantzen zukmer geschickten Übung gekommen, so kanfn nachgehends zu einer etwas starckernnemlich zu den Fechten schreiten,feses ist sthon ettvas marriaiifthes, undWman hiermit bey feindlichen Attaquenmnen Leib beschützen, sich in der Noth ret-lf und seinem Feind dasjenige versetzen,M er einen zu thun willens war. DerMUneister weiset einem Anfänger erst-vasRappier wohl halten,daß derDau-hinunter den Stichblatt auf dasx» ^tzderkani'-Stange feste gesetzt wer-JSrtns ^appiers-Knopfaber hinter der4.- g Zufliege. Er weiset ihn ferner dieZu setzen, die Arme zuhalten,^uttSchenMn und Leibe die rechte Posi-r,.^^?^^u,und ein gutes Lager sich an-N/Uwhnen. Der Fechtmeister hat ei-^.bu ledernen wohl ausgestopften Schildhha berBrust, und der Scholar muß weid-ftr Zustoßen, um sich wohl aus-lernen. Der Fechtmeister zie-a,,-^Wappier des Scholaren an sich,da-^ einen desto reinern Stoß an-i2 e : , Er lehretihndie krimam,und^fuf/olche wohl begriffen, die Secun-li^'feun auch diese recht gelernet, end-

Contra Fechten mit andernte nS st ^ uuter zwey biß drey Mona-zu praaicjren, denn die andernthej/Aowkß, und können einen Anfänger,fertiafEuwlssenheit, theils aus Leicht-lol^eStößeanbringen, die ihmlyer Massen ineomo>odsten.Eme an-

dere Bewandniß hat es bey denen contraFechten mit dem Lehrmeister, oder Vor-fechter,als welche schon sicherer und gewis-ser halten. Hat einer aber 5.biß s.Mona-te gefochten, und um einen guten Recom-pens sich von den Fechtmeister privatim ei-nige gute Lectiones zeigen lassen, so kan erdas Contra Fechten schon vornehmen.

§.6.Bey den Fechten muß man sich lernenwohl strecken, ein gutes Lager machen, denGegner an derKlinge bleiben,dieselbe wohlürinKiren,dieivlenlurund dasfempo be-obachten, bey der leisesten Berührung derKlinge caviren, geschickt pariren, nach an-gebrachten Stoß mit einen oder zweySprüngen sich hurtig in der Defension re-tiriren. Die mancherley gekünsteltenVolten, Stocaöen, Prisen, Pailadftt und der-gleichen werden zwar aufdenFecht-Bödengelernet, schicken sich aber in geringstennicht zum Ernst.

§. 7. Ein junger Mensch muß sich desFechtens zu Vertheidigung seinerEhre,sei-nes Vermögens und seines Leibes bedie-nen, aber nicht unnöthige Handel, die off-termahls bey einen Bier - und Wein - Ge-lack um ein Charten Blatt oder eine Hureangefangen werden, zu erregen. Es istdas Duelliren ein sehr schändliches Laster,so in allenKöniglichen,Churfürstlichen undFürstlichen Mandat» hoch verpönt ist. Eshat mancher zuHaus so eine unmäßige und«»zeitige Courage, und Hingegentheils,wenn er wieder den Feind anrucken soll,zit-tert er doch wohl wre ein Espen Laub. Eskommen auch gemeiniglich diejenigen, dieandere zum besten haben und Handel erre-gen wollen,wenn es zum Duelliren kömmt,anheßüchstenweg.

§.8. Mit den Fechten pflegt insgemeindas Voltigiren vereiniget zu werden, da> man über gewisse höltzerne Pferde nachbesondern Regeln der Mechanic mit Ge-schwindigkeit springen, und besondere Le-äione8 machen muß. Es gehören gute,ge-sunde und starcke Gliedmassen dazu,weil eseine sehr hefftigeBewegung ist; Wer nichtin Leive recht gesund ist, muß dieses Exer-citium unterwegens lassen. ; Doch ist esauch einen jungen Menschen, der Starcke,Geschwindigkeit, Gesundheit, Lust u. Ge-schicklichknt dazu besitzt,nichtunanftändig,und kan auch unter oer Milice bey man-cherley Vorfallenheiten seinen guten Nu-tzen erweisen. Es rührt das Voltigirennoch von denen Römischen Soldaten her;Denn, da mustendie Reiter auf höltzerne

Pferde