Band 
Zweiter Theil.
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Chinesisches Reich. Hochasien.

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lmnd hat mehr Flugsandwüstcn, in denen im Sommer drückende Hitzeherrscht und der Samum sich spüren läßt. Doch nicht daß ganzeH ochland bietet einen so abschreckenden Anblick dar. Es giebt auchfruchtbare, weidcnreiche Thäler, gut angebauete Gegenden, besonders inW., wo auch die meisten Städte sind, und i» N. waldreiche Gebirge.Eigenthümlich dem Hochlande bleibt aber die rauhe Luft, der langeWinter, den nur eine kurze Sommerzeit, in welcher aber auch inmanchen Gegenden wohl Schneegestöber sich zeigen, unterbricht. DieProducte sind wahrscheinlich nicht zahlreich. Daß die Gebirge Metalleenthalten, läßt sich schon aus dem Erzreichthum des Altai und derTibetanischen benachbarten Gebirge schließen, gewiß weiß man wenigdarüber; Blei wird in W. gegraben. Karneole, Achate, Chal-zedone, unter andern auch der Kascholong, finden sich in großerMenge; auch der kostbare Lasurstein ist diesen Gegenden besonderseigen, so wie der Türkis und Asbest. Unter den wilden Thierendes Landes ist der Dsiggetai, eine Art wilder Esel von unglaub-licher Flüchtigkeit, zu bemerken, auch das Moschnsthier, des wilde-Pferd und mancherlei Pelzthierc, z. B. das Hermelin und derZobel finden sich; der Hauptreichthnm des Landes besteht in große»Heerden von Pferden, Rindern, Schafen und Ziegen; dasKamel ist ebenfalls wichtig, aber in N. sind schon die Winter zustrenge für dasselbe. Am ärmlichsten ist wohl das Pflanzenreich, jedochist hier der ächte Rhabarber zu Hause und die in China sehr ge-schätzte Arzneipflanze Ginseng. Hin und wieder werden Getreide,Reis, Obst, besonders in den wasserreichen Gegenden Melonengebanet; ja in dem wärmeren fruchtbaren Thallande des westlichenTheiles kommen sogar S üdfrü chtc und Baumwolle fort.—Hoch-asien ist für die Geschichte Asiens von großer Wichtigkeit; von hieraus brachen zu verschiedenen Zeiten Romadenhorden, Mongolen undTataren genannt*), in die Tiefländer ein und wurden dort Stifterund Beherrscher großer Staaten, ja sie machten selbst Europa zittern;dagegen gelang es keinem fremden Eroberer sich zum Herrn dieserGegenden zu machen. Um so auffallender ist daher die Herrschaft, wel-che die Chinesen jetzt über ganz Hochasien ausüben. Schon am Endedes XVII. Jahrh, unterwarfen sie sich den östlichen Theil, 1720 er-oberten sie die sogenannte Bucharei und um 1757 auch den RW.Theil, die Songarei, wo sie allcthalben Städte und feste Plätze anleg-ten. Karawanenstraßen durchkreuzen das ganze Land und durch sieallein stehen die umliegenden Tiefländer mit einander in Verbindung;daher finden sich schon wichtige Handelsstädte, Stapel- und Ruhe-plätze in den ältesten Zeiten, und verschiedene Bcrgpässe, zum Theilhöher als die Europäischen Alpenstraßen, führen nach W., O. und S.

*) Roch immer herrscht in der Geschichte und Ethnographie eine merkwür-dige Verwirrung im Gebrauch des Wortes Tatar, was sowohl gleich-bedeutend mit Mongole, als auch zur Bezeichnung eines besonderen Kau-kasischen Völkcrstammcs gebraucht wird. In Norddcutschland nennt derLandmann auch die Zigeuner Talers.