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Phyto- und Zoochemie / Leopold Gmelin ; bearb. und hrsg. von C. G. Lehmann und Dr. Rochleder
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Chemische Bestandtheile,

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seines Inhalts ausdehnt. Der Milchbrustgang wird dann bis zur Ci-sterne herab frei präparirt und mittelst eines Einstichs oder Ein-schnitts entleert. Tiedemann und Gmei.in (a. a. o.,i, p. 248), nahmenauch wohl ein Stück des Ganges aus dem Thiere heraus und wu-schen es vor der Eröffnung desselben von anhängendem Blute etc. rein.Eine grtifsere Quantität Chylus erhält man, wenn man den Inhalt desblofsgelegten Brustheiles des ductus, ohne vorher eine Ligatur an-zulegen, anschneidet und so den Milchsaft austliefsen lässt; es istjedoch bei diesem Verfahren, und nicht ohne Grund, zu befürchten,dass der jähe Abfluss der Lymphe ein abnorm reichliches Zufliefsenvon Lymphe nach sich zieht (Lehmann).

Die chemischen Bestandtheile des Chylus entsprechen bis aufgeringe, unwesentliche Unterschiede vollkommen denen der Intercel-lularfliissigkeit des Blutes. Der Milchsaft des ductus thoracicus, wel-cher fast allein der Untersuchung zugänglich war, besteht nicht blofsaus den vom Darm aufgenommenen Produclen der Verdauung, Ver-dauungsflüssigkeiten, sondern es ist diesen auch die Lymphe des Kör-pers, sowie Blut beigemengt. Selbst der Chylus in den Anfängender Gefäße muss schon Lymphe enthalten und neben den Blutzellenwird sicher auch Blutplasma aufgenommen. Dazu kommt, dass denChylusgefäfsen des Darms keineswegs, wie man früher und auchneuerdings noch glaubte, die Eigenschaft zukomme, nur gewisse Sub-stanzen absorbiren zu können. Und wenn dies selbst der Fall wäre,würde doch die Beschaffenheit des Chylus eine andere sein, je nachdem das betreffende Thier viel oder wenig Nahrung genossen hat.

Es muss demnach die Zusammensetzung des Chylus eine schwan-kende sein.

Ci.. Bkknahd stellt (Leg. de physiol. exper. Paris 1856. II, p. 32t325)den Satz auf, dass die Lymphe nur aus Chylus und dem vom Darm aus resor-blrten Keil bestehe. Das Ilühnereiweifs sei wahrscheinlich nicht mit dem ßlut-elwelfs identisch, da nach der Injection von in Wasser suspendlrtem Eieralbu-min in die Jugularis von Hunden Elweifsharnen eintrete; der Durchlauft desEiwclfses durch die Leber sei aber hinreichend, es dem Organismus zu appro-prilren; nach Injection von Eiwelfslösung In die Pfortader eines Hundes bliebder Eiweifsharn aus; es könne folglich das Albumin nicht durch die Chylus-gefäfse in das Blut gelangen, sondern werde von der Pfortader aufgenommen.(Auch Arch. gen. de med, 1851. XXV, p. 118). Will man auch die von denChemikern als unstatthaft anerkannte Annahme, Eier- und Bluteiwelfs seien dif-ferente Körper, gelten lassen, so ist dem Bernardschen Satze entgegenzuhalten,dass das Albumin nicht als solches, sondern als Pepton resorbirt wird; dassferner, wenn auch Eiweifs direct in die Chylusgefäfse liberginge, dieses dochdie Lymphdiiisen zu passlren hat, In denen wenigstens die Albuminate desChylus nicht unwesentlich umgewaudelt werden (Köm.ikkh, Bauen k, Don-dkbs; vergl. p. 213), ehe es in das Blut gelangt. Ueberdies sind BkhnaiidsExperimente keineswegs schlussfertig. Wenn nach Injection In W'asser sus-pendirten Iliihnerelw eifses in die .Tuguiarls eines Thleres der Harn eiwelfs-haltig wird, so ist man eher berechtigt, eine in Folge der durch ungelösteKiweifspurlikelchen etc. bedingte Verstopfung und Berstung der Nierencapii-laren eingetretene Ausscheidung von Blulhestandtheilen, als eine Excretlon desdem Organismus nicht approprllrteu Albumins anzunehmen; von diesem Ge-slchtspunct aus wird es nicht W'under nehmen, wenn nach Einspritzung vonIlühnereiweifs in Pfortaderäste Elweifsharnen nicht eintrltt, da von den Leber-capillaren die Albuminthellchen zurückgelialten w erden, w-elchedie Haargefäfseauch ln anderen Organen dem Zufluss des Blutes versperren würden, Hat man