466 Bestandtheile deck organischen Reichs
Milch- oder Saftgefäße. Es ist bekannt, daß sie sichdurch ihre Struktur von allen anderen Gefäßen und Zellender Pflanzen unterscheiden. Sie bestehen im jugendlichen Zu-stande aus dünnen Wänden, welche mit dem Alter dickerwerden. Die Saftgefäße sind meistens kugelrund, communi-ciren unter einander durch seitliche Oeffnungen, laufen inden Stengeln parallel und bilden in den Blättern Verzwei-gungen, deren Theile in einander einmünden, obschon sie des-halb nicht mit den Blutgefäßen der Thiere zu vergleichensind. Sie besitzen keine Contractilität; auch kennt man bisjetzt weder den Anfang noch das Ende derselben *).
Man glaubt bei jenen Saftgefäßcn beobachtet zu haben,daß sie mit dem Alter auf kleine Entfernungen quer liegendeScheidewände bekommen und dadurch einerseits die Funktion,die Flüssigkeiten fortzuführen, verlieren, andrerseits das An-sehen verlängerter Zellen erhalten. Ich kann hierüber nichtentscheiden.
Wahrscheinlich werden sie aus Zellen gebildet, welche aneinander liegen, und deren Zwischenwände resorbirt werden.
Die Funktion der Saftgefäße ist ohne Zweifel für dasLeben der Pflanze von der größten Wichtigkeit, und ist des-halb gegenwärtig auch noch Gegenstand vieler Discussionen.Die Pflanzenzellen können bekanntlich in der Regel nur eineklare durchsichtige Flüssigkeit durch ihre Wände hindurchlassen;denn die Zellenwände sind die feinsten Filter, welche mankennt (S. 217). Die Flüssigkeit, welche von einer Zelle ineine andere übergeht, also zwei Filter durchdringt, kann da-her keine snspendirten Theile enthalten; viel weniger nochdiejenige, welche endosmotisch durch eine unzählige MengeZellenwände aufgestiegen ist, wenn man diejenigen Zellenausnimmt, worin wirklich Poren bestehen (S. 423) und diewahrscheinlich viel allgemeiner sind, als man bisher ange-
*) @. Meocn, SkkrctionSorganc der Psiaujcn, G. t>6.