Thierische Gewebe. 563
Wenn wir die Schwefelmenge in Rechnung bringen, welche indem von Horn erhaltenen Niederschlage enthalten ist — unddie von einer unvollständigen Zersetzung herrührt — so stimmtobige Berechnung mit dem Resultate der Analyse wohl überein.
Um jene Zusammensetzung zu verstehen, müssen wir fol-gende Umstände in Betracht ziehen.
Wir wissen, daß das Proteinbioryd die Fähigkeit besitzt,sich in Proteintritoryd umzuwandeln. Durch Kochen des Fibrinsmit Wasser wird zuerst Proteinbioryd gebildet, welches sich durchlänger fortgesetztes Kochen zuletzt in Proteintritoryd verwandelt,eine Substanz, die wir bereits unter zweierlei Gestalten, näm-lich als in Wasser lösliches Hydrat, und als in Wasser unlös-liche wasserfreie Verbindung kennen gelernt haben (s. Haare).Wenn also Amid in Ammoniak übergeht, und der Sauerstoffdes hierbei zerlegten Wafferatoms sich mit der organischen Sub-stanz verbindet, wenn ferner ein anderes Atom Sauerstoff ausder atmosphärischen Luft aufgenommen und dabei der Schwefelausgeschieden wird, so muß der Niederschlag, welchen Ammoniakin der essigsauren Auflösung hervorbringt, jedenfalls eine Zu-sammensetzung haben, welche sich der des Proteinbioryds oder-tritvryds nähert. Letzteres scheint wirklich der Fall zu sein,denn es entsteht auf jene Weise aus Horn eine Substanz, derenZusammensetzung wir durch die Formel: 64 ,, H 64 N xo 0 16 aus-drücken können.
Obige Gründe geben, wie ich glaube, der Formel:
2 (C 40 H e2 N 10 0 14 S) + N 2 H 4 ,als dem Ausdrucke der chemischen Constitution des Horns, oderder Zellenwand, einige Wahrscheinlichkeit. Diese kleinen Abweichun-gen der berechneten Zahlen von den gefundenen rühren von demZelleninhalte und der zwischen den Zellen befindlichen Substanzher, welche aber hier den mikroskopischen Beobachtungen zu Folgenur einen sehr geringen Einfluß ausüben kann.