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Thierische Gewebe.
F i s ch b e i n.
Wenn schon die Art der Bildung dieses kolossalen Productsder Wallfische unbekannt ist, so haben wir doch allen Grund zuvermuthen, daß es ein ähnliches Sekret ist wie die Nagel,Haare und Hörner. Auf dem Oberkiefer des Balaena mysti-cetus und anderer verwandter Thiere bildet sich eine Reihe vonauf einander liegenden Schichten, welche rechtwinklig auf derPeripherie des Oberkiefers stehen und eine ansehnliche Ausdeh-nung erlangen. Diese Substanz, das Fischbein, schließt dieMundöffnung des Wallfisches so, daß sie das Wasser zwar hin-durchläßt, aber die mit dem Wasser aufgenommenen kleinerenFische darin zurückhält.
Das Fischbein ist von van Kerckhoff untersucht *).
Seine Zusammensetzung ist in der That sehr einfach. Dasganze Gewebe besteht nämlich aus plattgedrückten Zellen, welchein zwei verschiedenen Richtungen unter einander verbunden sind.In der Längsrichtung der großen Fischbeinlagen laufen Mark-kanäle, welche gruppenweise zusammenliegen, und deren jederfür sich von einem Systeme concentrischer Hülsen umgeben ist(Fig. 102, 193, 104, 105); diese bilden die schwarze Fischbein-masse. Eine solche Gruppe (Fig. 996) liegt in der eigentlichenHauptmasse des Fischbeins, welche eine graue Farbe hat (a),eingeschlossen. Letztere besteht, gleichwie die schwarze Substanz,aus auf einander geschichteten Platten (Fig. 100 und 101), dieaber der Oberfläche parallel laufen. — Nach längerem Liegenin Kalilauge löst sich das ganze Gewebe in wohlgebildete Zellenauf (Fig. 106). Diese Zellen sind im Fischbein plattgedrückt,zu Plättchen verbunden, welche in der schwarzen Substanz dieScheiden der Markkanäle bilden. Außer Zellen, dem einge-trockneten Inhalte derselben, dem Bindemittel, ein wenig Fett
') Scheikundige Onderzoekingeu, Deel JJL t>. 347.