Band 
Zweyter Theil. Bi - C.
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begab sich mit den seinigen zu den Florentinern, und wardderen Haupt gegen Ladislaum, welcher durch die von denPerusinern und (senesern ihm gegebene gelegenheit, gantz He-trurien in seinen gemalt zu bringen, »erhoffet hatte. AberBraccius nahm ihm bald seine Hoffnung, schlug erstlich des-sen viel grössere macht in einer schlacht, bey deren der Konigselbst zugegen war, von der belaqerung Arezzo weg ; überwän-de ihn in vielen kleinern treffen / nähme viele örter von ziem-licher Wichtigkeit ein, und thäte sonderlich der stadt Perusia grosssen schaden. Durch obige gelegenheit käme Braccius auchin die bekanntschafft und dienste Ludovici von Anjou, und desPapsts Iohannis XXIII. welche beyde der stadt Florentz ver-bündete gegen Ladislaum waren, und aus denen der erstereabsonderlich Ladislao zuwider ansprach auf Neapoli machte.Diesem nun that er in der schlacht bey Rom an dem Jani-culo, und hernach in eroberung der schantzen Ladislai , fur-trefliche dienste, so daß auch dieser König gezwungen ward, mitverlassung Rom, dessen er schon einen guten theil inngehabt,sich in sein Reich zu retiriren. Da nun also Ladislaus genugerkannt, was für einen mann er sich an Braccio zum feinde ge-macht , suchte er denselben mit allem fleiß von dem Papst wie-derum ab, und auf seine feite zuziehen; hielt auch zu dem en-de mit ihm zwischen beyden armeen eine Unterredung, und ver-sprach auf solchen fall eine grosse summa gelds, neben der bestenstadt in seinem Königreich, welche Braccius selbst auslösen könn-te , ausser dem einigen Napoli. Aber Braccius schlug allesaus, jedoch mit dem beyfügen, wann die zeit seiner capitula-tion mit dem Papst zu ende, wolle er des Königs vorschlüge gernanhören, welches dann der schon obberührten gewohnhett,bald der einen bald der andern partey ums geld zu drenen,ohne 6ch im übrigen um die gerechtigkeit der fach zu be-kümmern , wo man nur bey jedem die versprochene zeit aus-hielte , gantz gemäß war, und deswegen Braccio für einegar rühmliche erklarung ausgelegt wurde. Wegen allen die-sen diensten , überliesse ihm der Papst Johannes XXIII. alser aufs Loncilium gen Costnitz reisete, das oberste commandoaller seiner kriegs - macht , und sonderlich das Gouvernementvon Bononien; welche stadt auch dieser, ungeachtet die bürgerverschiedene mal zu den Waffen griffen , so lang in des Papstsdevotion erhielte , bis er vernommen, daß für solchen keineHoffnung mehr übrig , sondern er von dem Loncilio abgesetzt,gefangen gehalten, und an seine statt Martinus V. so aus demHause Columna, erwehlet wäre. Dann da überließ er diestadt ihro selbst, nachdem er sich zuvor für den rückständigensold seiner soldaten von dero bürgern eine grosse summa geldshatte bezahlen machen; gienge hernach , ehe es jemand vermu-thete , auf Perusia los , »ahme alle haltbare örter um diestadt ein , geriethe so dann mit dero helffern Carlo Mala-testa, Angelo äi Pergola, Ciccholini und andern , so an derzahl wohl mal starcker waren, als er, in ein hartes tref-fen, und schlüge selbige in die flucht; wobey er zuerst diezwar vor allers viel gebrauchte, aber nun seit der Römer zei-ten in abgang gekommene manier, die reuterey schwadronen weisefechten zu lassen, mit glücklichem fortgang wiederum gebrauch-te , und dadurch die in einer langen linie nach der damaligenart gestellte feindliche reuter gäntzlich zerstreuete, auch fürs künf-tige den anlas gäbe, solche weise zu fechten durchgehends wie-der einzuführen. Durch diesen sieg wurden die Perusiner so hef-tig erschreckt, daß fle nicht nur sich an Braccium ergaben, son-dern ihm gar die herrschaffl über ihre stadt und land auftrugen,welches er, nachdem er sich anfänglich gestellet, als wäreihm lieber sein vatterland nur mit Wiedereinsetzung des un-billich vertriebenen Adels wiederum in die freyheit zu setzen,endlich annähme, und in kurtzem neben derselbigen den grö-sten theil von Umbrien oder dem Spoletanischen gebieth inseinen gemalt brachte. Von dem an nahm er sich noch grös-sere dinge in den sinn. Erstlich war er Vorhabens Rom zuerobern, wozu ihn die abwesenheit Martini, der noch nichtvon Costnitz zurück kommen, schiene anzulocken. Dem Päpst-lichen Gesandten, der zu ihm ins lager kam, und um die ursachseines anzuqö befragte, gab er zur antwort: er härte eben dieursach nach der besitzung selbiger stadt zu streben, welche derPapst hätte, solche in besitz zu behalten , nemlich die Vergnü-gung und ehre zu herrschen ; doch begehrte er dißmal nichtsanders , als dre stadt bey so gefährlichen lauften bis zu desPapsts Wiederkunft zu beschützen. Die fach gerieth ihm auchso wohl, daß ihn die burger würcklich mit seinem kriegs-volckeinließen, und unter dem nahinen «Eors zum Gubernator derstadt annahmen; wiewol Corro meldet, sie hätten ihm viel-mehr den titul: urbis Dekenior , gegeben. Als Martinus

V. bald hernach in Italien ankäme, wollte lhm zwar Braccius,wie andere, ein compliment machen lassen, aber jener zeigte gleich,daß er nicht zum besten gegen ihm gesinnet; daher auch Brac-cius sich um so mehr aus alle fälle gefaßt hielte. Indessen schick-te die Königin Johanna von Napoli , fo ihrem bruder Ladislao,welcher ohne eheliche leibs-erben verstorben, im Reich nachgefol-gel war, dem Papst zu gefallen, ihren General Sforzia WiderBraccmm, welches der ansang war, daß diese zwey Kriegs-Oberste, welche damals bey weitem den qrösten rühm in Ita-lien hatten, und vorher ein und das andere mal in gleichendiensten und unter einer armee gestanden waren , sich gegeneinander zu stossen ansiengen, von welcher zeit an sowol unterihnen selbst als ihren krregs-leuthen eine ungemeine eifersucht und

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Verbitterung entstanden, so noch lange jähr nach ihrem rode un-ter dem nahmen der Sforzestschen und Braccesischen gedauret hat»Das glück lachete zu erst dem Braccio, welcher den Sforza beyViterbo schlüge. Allein gleich darauf liesse sich Tartaglia einerder vornehmsten Obersten des Braccio vom Papst debauchiren,daß er zum Sforza übergieng, als welcher seinen söhn JohannSforza des Tartaglia tochter zur ehe gab. Der alte Sforzaerhielte über diß noch viele andere verstarckungen, die ihmebenfalls durch den Papst Martinum zuwege gebracht wurden;so daß Braccius genug zu thun bekam , sich wider solche »nachtzu beschützen, wobey ihm auch der abfall der stadt Aßisio keinengeringen stoß gab; wiewol er dannoch aller orten feinen fein-den das Haupt unerschrocken böte, und sonderlich durch feinegeschwindigkeit, darinnen ihm kein anderer General zu ver-gleichen war, mehrmalen abbruch thäte; auch durch diesel«bige Aßisio , ehe stchs noch der feind versähe, wiederum über-wältigte , und den Tartaglia in die flucht schlüge. Als nachdem zu Florentz an einem frieden gehandelt wurde , auchMartinus selbste» allda zugegen war , zöge Braccio auchhin , und stellete in der gehabten audientz demjelben alle diedienste vor, so er dem Römischen stuhl geleistet, nicht ohnebeschwerung, daß ihn der Papst dagegen mit harten worlenin den bann gethan und verfluchet. Worauf dieser, wodem Joh. Antonio Campano, einem Italiänischen Bischofs,und der sein buch von dem leben Braccii eben dessensöhn zugeschrieben, zu glaube» äst, unter andern, sollgeantwortet haben: Seine flüche und bann-strahlen Wider ihnhätten zwar den zweck gehabt, ihne zu schrecken , aber ihmm, übrigen keine gefahr gebracht ; auch geschahen derglei-chen dinge nicht allezeit in dem vorhaben den leuthen zu scha-den. In dem gemachten vergleich nähme der Papst Brac-cium in seinen sold, und muste dieser versprechen, mit seinemunterhabenden volck alsobald wider die stadt Bononia zu zie-hen , um selbige für den Papst zu bekriegen; welches haupt-sächlich auf einrathen Sforzä geschahe, damit der Papst in-dessen das Königreich Napoli, mit desto leichterer mühe erobernmöchte; als worauf all sein absehen gerichtet war, ungeachtetderer von Johanna empfangenen diensten , als welche ihm auchden nemlichen Sforza, der numnehro wider sie selbs für ihnden Papst fechten wollte, zu hülff geschickt hatte. Nun aber wä-re auffert Braccio sonst niemand, von dem sich die Königinwider solchen anfall einer starcken und schleunigen hülffe hättegetrosten können. Dieser erführe des Papsts anschlag, als ergleich gegen Bononien ziehen wollte, und thäte solchen der Jo-hanna heimlich zu wissen. Weil er aber auch zugleich dem Papstfein Wort halten wollte, griff er die Bononier aufs schärfste an»und nachdem er sie samt ihren helffern geschlagen, auch ihr gan-tzes land eingenommen, dazu noch der Hunger sie heftig drän-gele , musten sich die Bentivogli, welche damals die stadt inn-hatten, im zweyten inonat an den Papst ergeben; welche ge-fchwindigkeit Braccii aantz Italien in erstaunen setzte. Er bekastlauch dadurch freye Haube, der Königin Johanna hülffe zu lei-sten , welche sowol als Alphonsus König in Aragonien undSicilim, den Johanna für ihren söhn angenommen hatte,ihn durch Gesandte eifrig darum ersuchte, und zu verstar-ckung seiner trouppen, ehe er noch von Perusia auszöge,202000. ducaten auszahlen liesse. Ehe er aber auszöge, hiel-te er zu Perusia beylager mit der schwester Berardi, so damalsHerr von Camerino war ; gieng darauf ins NapolitamMmit aller macht, die er aus Hetrurien hatte mögen zusam-men bringen , zwange unterwegs alles so sich zuvor wider ^Königin empöret, sich zu ergeben, befreyte Capua, und dawdarauf Napoli selbst, welches schon aufs äusserste gebracht war,zusamt der Königin, von der feinden anfsatz, ehe noch Al-phonsus mit seinem volck aus Sicilien ankäme. Zur danckbar-keitward Braccio von beyden zum Grafen von Fogaia und Fe-sten von Capua, auch ferners zum Groß-ConnetMe des Kö'Ereichs erkläret, und ihm, den krieg mit völligem gewalt zu ft'Aren, überlassen, wobey sich Alphonsus sechsten erböte, Eseinen Spaniern ihm in kriegs-sachen zu gehorchen. Indem'!hatte sich auch Sforza verstärcket, und sonderlich von dem VEden Tartaglia mit 800. reutern zu hülffe empfangen, so daß Han macht dem Braccio überlegen war. Weil nun dieser siE.wegen anzahl des feindes, der noch dazu sich aus seinem voiE»nicht begeben wollte, als auf ernstliches anhalten Alphonst rM.schlacht zu liefern bedencken trüge, brauchte er die list, daß erauf streifereyen gefangenen leuthe des Sforza gar hart hiei^äund meist aufdie galeeren verdammte, die vomTartaglia hingenwohl tractirte, und ihm mit ihren Pferden und Waffen wieder»'rück schickte, auch viele höfliche Worte und erinnerungen ihrer'.rigen freundschafft beyfügte; daher zwischen diesem und Sm"bald eine eifersucht und mißtrauen entstünde, welches sieverw'lassete, sich von einander zu scheiden, und kurtz hernach gar die X,fach war, daß Sforza den Tartaglia , obschon er sonstunter ihm stund, liesse gefangen nehmen und enthaupten.

wol Corio schreibet , Tartaglia wäre würcklich mit verratver

umgegangen, und habe Braccio seine deswegen an ihngE',,bene briefe dem Sforza in einer gehaltenen Unterredung ssiU Wzeiget, um sich an dem Tartaglia wegen seines vorigen aon xzu rächen. Auch solle nach diesem Mayländischen scnbentti'' .Papst selbst den willen dazu gegeben haben, in dessen d>en«lsolde sich damal der Tartaglia befände. So bald also -o'^cio freye Hände bekommen, fiel er ins Päpstliche ein,