Band 
Zweyter Theil. Bi - C.
Seite
846
JPEG-Download
 

846 c o n

bringen lassen, und war willens sich nach Italien zu wenden;allein seine gemahlin wollte durchaus nicht darein willigen, undob er gleich allen möglichen fleiß anwendete, sie zu bereden, ja zuihren füffen fiel und bat, daß sie dem bevorstehenden ungluck ent-rinnen möchte, so war doch alles vergeblich, und wollte diese dieKönigin nicht verlassen. Unterdessen hatte sich, der Luynes beydem jungen Printzen vest gesetzt, dessen rathschläge alle dahin ge-richtet waren, den Marschall 6'Ancre zu sturtzen, wie er dennwürcklich sowol denselben, als die Königliche mutter bey demPrintzen aufs äusserste verhaßt machte. Und kan man es nichtänderst als eine sonderbare straf GOttes über Concil» ansehen ,daß, da er diß alles gewußt, dennoch Luynes von ihm so sehrverachtet, und nimmermehr keines kühnen anschlags fähig gehal-ten worden, so daß er auch nicht die geringste Vorsorge dagegenmachen wollen. Ja noch in der stunde, da er ermordet ward, alsihm Luynes ein compliment machen liesse, er sollte sich nicht be-fremden,daß mehr volck in bemLouvre wäre,als gewöhnlichssamtbevsetzung einer errichteten Ursache dieser neulichkeit,schrye er über-laut : Wie bin ich so unglücklich, daß ich keinen so getreuen freundhabe, der diesem kerl (verstehende den Luynes) ein für allemaldeutlich sage, wie er dergleichen entschuldigungen weder anjetzonoch sonst zu einiger zeit bey mir bedürfe, und daß kaum jemandist, welchen ich weniger fürchte und mehr verachte, als ihn. Manwollte zwar anfänglich den Marschall unter einem andern prä-text aus Franckreich wegschaffen, und wurde ihm vorgeschlagen,entweder als Ambassador nach Rom zu gehen , oder die Graf-schafft Mömpelgard zu kauffen, und feine lebenszeit daselbst zu-zubringen. Indem er aber fast an dem war, hierzu sich zu re-solviren, bemüheten sich seine feinde, auch diese gelegenheit zuentfliehen ihm abzuschneiden. Luynes brachte auch endlich denPrintzen dahin, daß er sich entschloß, den.Concini todten zu lasssen. Es wurde also dem Capttain der Königlichen garde, Ni-colao I'Hospital, Marquis von Vitri, so hernach wegen dieserthat zum Marschall von Franckreich gemacht worden, ordre ge-geben , solches auszurichten. Derowegen, als der Concini den24. april an. 1617. in das Louvre kam, attaquirte ihn Vitri nebstseinem bruder 6u Hallier und einigen andern, und tödtelen ihnmit etlichen Pistolen - schüssen. Es wurde zwar die leiche dar-auf heimlich in der kirche von St. Germain 6s 1 'Auxerrois be-graben , das volck aber, so einen unbeschreiblichen haß gegendiesen Marschall 6'Ancre hatte, entdeckte doch diesen ort , rißdie leiche heraus, zerriß den leib und das eingeweide in viel stü-cken , etliche frästen etwas von dem eingeweide auf, ein ande-rer legte das Hertz aufkohlen , und verzehrte ein stück davon anöffentlichem orte. Das Parlemcnt stellte auch einen proceß wi-der ihn an, erkannte ihn der verletzten Majestät schuldig , ver-dammte seine gemahlin, die Galligai, enthauptet und verbranntzu werden, nachdem man sie der zauberey, des Judenthums,und anderer laster beschuldiget. Sein söhn aber wurde aus demAdel-stand gestoffen, und für untüchtig erkannt, einige ehren-stellen in Franckreich zu bedienen. Über alles obige soll auchdieser umstand nicht vergessen werden , daß Concini so gar ander Königin nicht allezeit treu gewesen, und in einer mit demSavoyischen Hof unterhaltenen heimlichen correspondentz dem-selbigen alle geheimnissen des Französischen Hofs entdecket, bisdie fach endlich an tag kommen, ohne daß jemand und am aller-wenigsten die Königin, auch nach aufgefangenen ersten briefen,darinnen aber sein nähme nicht stunde, den geringsten argwohnvon ihm gehabt; wie es Bassompierre, der ihm zum theil selbstaus selbiger noth geholffen, mit mehrerm erzehlet.üili. liv. II. Lo. /.? ctecoäe 6e Louis XIII. liv.X. Le, kill. 6u regne 6e Louis XIII. liv. VIII. IX. X. <Lc. ,mein. reoonä. toin. IV. kel-ition 6e I» inort 6u IVlarech»! ci'lln-cro; IVlemoires 6e HsLgLLNt. Lc. *

LOIssLIO, heißt eigentlich die versämmlung des volcks,hernach auch die rede, welche zu Rom an das versammlete volckgehalten ward. Solche geschahe gemeiniglich auf dem marcktepro ssosiris, oder, wenn es anderswo war, von einem etwas er-habenen orte. Jedweder Magistrat durfte daselbst reden, so oftes nöthig war, von privat - Personen aber durfte es sich niemandunterstehen, wenn er nicht von einer Magistrats - Person dar-zu erfordert, auch deswegen auf den Redner - stuhl geführetward. Wenn einer pro ssoüris perorirte, so muste er sein ge-sicht nach dem Lspiroüo zu kehren; weil gegen selbiger feitedas volck auf dem leeren platz stunde. Im übrigen ist gantzungegründet, was einige haben vorgeben wollen, ob wärebey den Loncionibus allezeit auch ein Pfeiffer gewesen, welcherdem Redner den thon angegeben, weil sonst denselben bey einerso grossen menge volcks niemand hätte verstehen mögen. Zu ge-schweige« , daß diese pfeiffen die Verständlichkeit vielmehr gehin-dert hatten, so ist aus den Zeugnissen der Alten klar, daß niemandausser dem C. Graccho dergleichen gebraucht habe, aber auchdieser nicht zu dem ende , damit ihn das volck besser hörete;sondern damit, wo er (Gracchus) auf einen unrechten thonverfiel, und entweder die stimm heftiger erhebte, oder mehrfallen liesse, als es die fachen, die er vorbrachte , erforder-ten , der hierzu bestellte flöter, welcher die red - kunst ver-stünde , und in selbiger stunde an nichts anders zu gedenckenhatte , ihm durch ein leises pfeiffen dessen ein subtiles gemer-cke geben konnte, o--. üb. m. 6s Or-m üb. VIII.

e. 10. 6^//. üb. I. 0. ii. 6s ira rekrTnanä». 2^»^.lib. I. L. 10. 6s leissb. e> , äs cioüs 2 .

i r. Nk/E, Üb. VXXXVIIL *

e o

wenn dieA

(XMdlM/IHO, war bey den Römern ,baten mit der trompete ordre bekamen sich marMermi °^i»ten , und ihre fachen zusammen zu packen. Wen oA aus-fällen die soldaten nach gehörtem zeichen, auch vm»' zu-richte n , um zu erinnern, daß ein jeder seinen plunoer ^sammen packen, oder daß er schon zusammen gepacrc wu ^scheinet der nähme Lonclsmario dieser gantzen verncy»'"^zurüstung zum fortziehen geblieben zu seyn. Bisweilen ,fchahe dieses nicht, sondern sie brachen gantz in der ^sonderlich wenn sie den feind hinterschleichen wollten, ooe ^r-sie sich fürchten, bey ihrem abmarsch im rücken angegeben» ^

den. chosspt,. , »6 Lochn

1247. tom. X. drsev. IVrr/E, üb. OXXXIX. * aDs(lOXdlVss. Also wird derjenige ort genennet, leii.sich die Cardinäle zur wähl eines neuen Papsts »erm ^eu-Desgleichen wird auch gedachte Versammlung selbst mm »^ zpnet, und stehet es bey dero gliedern, einen gewissen on ^ H he-benennen; wie denn das Lonslavs eigentlich kern SL ^ jpi-stimmter ort ist. Gleichwol hat man von einiger zen ,merfort den Vatikanischen pallast wegen dessen grölst ^es-rer bequemlichkeiten darzu gebrauchet, so daß die C,aro^h,lh6'halber niemals mehr, als nur wegen hergebrachter gcwmit einander darüber deliberiren. Um nun die wähl cm MPapsts zu wercke zu richten, pflegt man in einen FU,rdiiEdieses pallasts so viel abgetheilte cellen zu bauen,, alszugegen sind, samt gewissen logen und örtern für die ve»ten Conclavtsten, die sich mit pflegen einzuschließen, ^

Cardinälen aufzuwarten. Diese kleine kammern haben «ch »stwisse zahl, und werden durchs loos ausgetheilet, daß Aters ergiedet, daß gewisse Cardinäle, die verschiedenen mzugethan , neben einander logiren müssen. Godacw ^werden binnen den neun tagen, da die ceremonien ' ^t,Papsts leich - begängnts verrichtet werden , zurechte 9innerhalb welcher zeit jedcrman in das Lonclsve ^

und die cellen besehen darf, welche auswendig mit 9^' yc»ge behängen sind, ausgenommen derjenigen ihre, wverstorbenen Papsts favoriten, oder denjenigen,fördert worden, zuständig, und dahero mit violet -tuche bekleidet werden. Über einer jedweden celle m ^,, vmdes Cardinals, welcher sich darinnen aufhält. Zwnsen cellen und den fenstern des pallasts ist eine lang" § Eworvon die cellen ihr licht bekommen. Des nächstendes Papstes begräbnis, welches der zehende nach Anfall Mit-gehen die Cardmäle, nachdem sie eine Messe, welche» § LALtm 8piricus 8unÄi nennet, angehöret, bey paaren »n jp t»cluve , allwo sie sich täglich morgends und abenvv Lssles /capelle zu einem Icrminio oder Untersuchung ven» ^ j,, e>da sie ihre vor» auf kleine ztttelgen schreiben , und st^» chli^

^ -rweb^".,,s-

' > I-bten p , st

zurechnen, wie viel ein jedweder, so viel in gednun^hel >genennet worden, stimmen vor sich hat. Dieseslange, bis 2. drittheil aus der Cardinäle anzahl aus . ,nstimmen; wiewol selten ein Papst auf diese weise erw .H"'" °Wannenhero es geschieht, daß sie nach gehaltenem pflegen,einem acceß zusammen kommen, das ist, zu verlmv ^ zc .ob nicht etwan derjenige, welcher die meisten st"Nw.tinio vor sich gehabt, zu 2. dritteln gelangen mogc'^n^hierbey zu mercken, daß sie im acceß ihre vor» dem ^geben können, für welche sie im lorminio geweM ,-^cht ^ ^dieses nicht will von statten gehen, nehmen sie ^

sogenannten inspiration, welches eine öffentliche " .psa «flivielmehr conspiration vieler Cardinäle ist, wemLschreyen und ausruffen: der und der Cardinal 'pje dst"als z. e. Papst Altieri wird von einem oder zweyen Lnehmsten einer gewissen partey sind, zuerst benenn. M ^genug vor» finden, zur Versicherung, daß diese ll^nlälegehen dürfte, so werden alsdann die übrigen ^chl m p,thiget, sich mit den andern zu vereinigen, danmi' ^ »HMneuen Papsts Ungnade fallen mögen, dessen wam " perforlaeben würde. Das lcrminium aefchicht

fortgehen würde. Das korurinium geschieht folg ,poca .Ein jeglicher Cardinal macht seinen zettul hätteseinen und des,eiligen, den er gerne zum P" 7 ^ehsawmen, samt noch einem andern Worte , als 9 '. «ärdWahl-spruch schreibet. Des Cardinals nmeine falte geschrieben , und mit einem pmch^MMennähme des erwehlten wird durch einen Conci» ^ pckne andere falte ohne siegel geschrieben , npv h^e M Fwelchem der Cardinal erkennet , daß es stm .Mied^ fss

man herliefet, wird auf die auswendige M 9 ^. D'^f-zum exempel: vso volsnm , oder etwas dergm che <ste, welche des Cardinals nahmen bedecket,net, als bis der Papst erwehlet ist, welcher A hnungwissen, wer diejenigen seyen, die zu seiner /ersen, alle zettul gäntzlich ausmachet. Das ^ H a»

Wort dienet in dem acceß darzu, damrt oaokomme, daß ein jeglicher Cardinal ein anve ^prdew ^,0^ausser demjenigen, welches im lcrutimo gegev siyo,nemlich zwey zettul unter einem nahmen vorv" ^auf unterschiedliche Personen stehen.des angenug

lcrjuncvuryc perjvncn jieycn. „gcL j"-', E - „

gestellten tcrucinü und acceß, daß die pgMkt^hiscksind , so werden alle zettul verbrannt, M