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erst in ihrem ganzen Umfange behandelt zu haben, sprichtzwar auch vou den Mitteln, die Ufer der Flüsse zusichern, er gesteht aber, daß er in diesem Theile derWissenschaft keine eignen Erfahrungen gemacht und dasMeiste von M i ch e l i n i und G u g l i e l m i entlehnthabe. Er kann sich daher auch gar nicht in den erstenhydraulischen Standpunkt versehen, sondern betrachtetalles nach der Mechanik fester Körper und seht Wir-kungen ohne Ursachen voraus oder confundirt beide, in-dem er mit Michelini schiefe Flachen, welche erstdurch das Wasser erzeugt werden sollen, als vom An-fange an wirkend annimmt.
Die schon erwähnte Art, in einzelnen MittelnSpecifiea zu suchen, hat die meisten spätern Schrift-steller beschäftiget und wahrscheinlich von allgemeinernhydraulischen Untersuchungen und Entdeckring der Grund-sätze abgehalten, nach welchen den Bauwerken in allenLagen und Verhältnissen Sicherheit für ihre Wirkungenund für ihre eigene Festigkeit und Dauer gegeben wer-den kann.
Ohne mich daher auf eine Aufzählung irriger Mei-nungen einzulassen, will ich nur Brünnings eigenesGeständniß über den Zustand dieses Theils der Wasser-baukunst hieher sehen. (Woltmanns Beitrage zurhydr. Archit. Th. 3 S. Ll.) wo er sagt:
„Welches sind denn eigentlich die festen Regeln, nach„welchen man Einbaue in Strömen oder an den„Meerufern anlegen soll? um auf die sicherste und„wohlfeilste Art den Zweck zu erreichen? Ich meines„Theils bekenne gern, keine andere Theorie für die„Anlage der Einbaue zu wissen, als die ich mir„von meinen eigenen und Anderer Erfahrungen ab-„strahirt habe; da dieselben noch obenein so ver-schiedenen Modisicationen »ach Loeal-Umständen„unterworfen sind. So mußte ich z. B. die Höster„am südlichen Ufer vom Haringvliet, kurz und recht-