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über Wasserbaukunst gesunden, gewiß ist es aber, daßdie Unkcnntniß oder Vernachlässigung derselben einen großenTheil der zu allen Zeiten vorgekommenen Beschädigungenan Wasserbauwerkcn veranlaßt hat, theils weil man dieFundamente, auch nach den gewöhnlichen Wafferständcn,nicht tief genug gelegt, theils nicht auf so hohe Wasser-stände gerechnet hatte, als dennoch eintraten; wie diesmit dem Einstürzen vieler Brücken, z. B. bei Hameln,Minden ;c. der Fall gewesen ist. D’Aubuisson Traited’IIydraulique macht zwar auf diesen Umstand aufmerk-sam, giebt aber davon keine deutliche Erklärung nochRegel.
' VIII. Auf der andern Seite hat man die Naturdes frcifallenden Wasserstrahles oft ganz unrichtig betrachtet,da man nicht darauf sahe, daß seine Geschw. durch denWiderstand des Grundes und den hydrostatischen Gegendruckdes Unterwassers vernichtet wird, wie z. B. an dem vonLecchi angeführten Uebcrfall zu Fano, welcher dem unternStrome eine größere Geschw. geben sollte, dieses aber nichtleistete. Hätte man hier eine Beschleunigung erzeugen wol-len, so konnte dies nur bei einem Ucberfall geschehen, wennder parabolische Strahl unten in eine Cycloide übergegangenwäre, noch besser aber, wenn man vermittelst eines Auf-zugwehrcs die völlige Wafferhöhe mit ihrer Geschw. benutzthätte.
Ich habe nun noch nachzuweisen: daß die Verzöge-rung der Geschw. oder die Entstehung einer mittleren Ge«schty. in einem Strome, auch aus dynamischen Gründen soerfolgen müsse, wie wir dieselbe in der Natur wahrnehmen,und daß die Begründung einer richtigen Theorie des Laufesder Ströme nicht so entfernt liege, als viele Schriftstellerwähnen.