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Alle Arten der Schafwolle : ihrer Natur und Beschaffenheit nach, leicht kennen zu lernen und solche zu verarbeiten oder theoretisch-praktische Belehrungen für Tuch-, Zeug- und Strumpf-Fabrikanten, Wolleinkäufer, Wollsortirer, Wollkämmer und deren Gesellen und Lehrlinge : enthaltend: gründliche Kenntnisse von der Natur und Beschaffenheit aller Arten von Schafwolle, deren Verarbeitung zu Garnen, Tuchen und Zeugen... / herausgegeben vom Tuchfabrikanten, Kunst- und Schönfärber Carl Friedrich Scherf
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23
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h 82 .

Die Wolle ist aber nicht immer von gleicher Be-schaffenheit. Nicht nur das Klima, die Nahrung unddie Gesundheit der Schafe, sondern auch die Verschie.denheit des Alters, des Geschlechts, der Schurzeit, dieunregelmäßige Stallfütterung, eine schlechte Weideund unreines Wasser zum Tränken der Schafe u. dgl.hat einen wesentlichen Einfluß auf die Güte und denWerth der Wolle. So ist z. B die Lammwolleund die Wolle von Jährlingen zwar fein und rein,aber schwach, unhaltbar und walkt nicht gut, schlägtsich aus in der Walke, und kann höchstens, wennman dergleichen zu Tuchen nimmt, als Melangewolledienen; desgleichen ist die Wolle junger Schafe besser,als die von ganz alten; die von weiblichen Schafenist zwar feiner, aber weniger elastisch, als die vonBöcken; die Wolle solcher Schafe, die auf sandigemoder talkartigem Boden geweidet werden, ist zwarfester, aber rauher, als die, wo die Schafe auf Thon-boden geweidet werden; desgleichen ist die Wolle, innassen Jahren erzeugt, kürzer und gröber als die,welche in trocknen Jahren gewonnen wird. Haupt-sächlich erzeugt eine hohe Weide und süße Gräser eineWolle von vorzüglicher Güte, dagegen eine niedere,sumpfige und saure Weide eine starke und unhaltbareWolle hervorbringt. Erstere verursacht in der Wolleein flüssiges Mark und offene Poren; die letztere aberbewirkt, wegen der zusammenziehenden Kraft des Fut-ters, das Gegentheil.

§. 33 .

Unter aller Wolle, die in Deutschland erbautwird, hat die Wolle der Besitzer großer Schäfereien