68
gekehrt. Die Kette oder Werft hat beim Weben desProdukts sehr viel zu leiden, deswegen ein haltbarerFaden dazu nöthig ist, und eine lange feste Wollegiebt jederzeit einen feinern, egalern und haltbaremFaden als die kurze und morsche; dagegen läßt sichdie kurze Wolle beim Rauhen des Tuches mehr auf-kratzen und giebt demselben das wollige Ansehen unddie Deckung, welches durch die Kette nicht geschehenkann, weil die Fäden derselben mehr verborgen blei-ben. Aus diesem Grunde würde der Fabrikant ganzwider die Regel handeln, wenn er nicht nur zurKette, sondern auch zum Einschlag, eine lange Wolleanwenden wollte, weil er dadurch ein Product erhal-ten würde, welches fadenscheinig und mehr dem Leinenund Baumwollenen ähneln würde.
Nach den obigen Eigenschaften der Kettenwolleund nach der Beschaffenheit des Tuches, welche durchdie Kettenfäden bewirkt wird, ist es leicht zu begrei-fen, daß derjenige Fabrikant gar nicht wider die Re-gel handelt, sondern Vortheil dabei hat, wenn er z. B.zur Kette Secunda-Wolle und zum Einschlag Prima-Wolle anwendet. Nach unserer Ueberzeugung wardie Manier in einer ehemaligen Tuchfabrik (in
R.g im Fürstenth. A.g) gebräuchlich,
welche Tuche von 2 — 4 Thlr. fabricirte und solchegrößtcnheils nach Italien versendete. Dieses geschahvor einigen Jahrzehnden. Diese Manier ist auch mitgefärbter Wolle ausführbar, wenn sie in znm Sortengetheilt wird, wovon die eine kürzer und feiner, unddie andere länger und gröber sein kann und zur Kettebestimmt wird. Indessen wollen wir diese Maniernicht als eine allgemeine Vorschrift festsetzen; vielmehrwollen wir manchen Fabrikanten nur darauf auf-merksam machen.