Buch 
Physikalische Geographie : Vorlesungen gehalten an der Universität zu Berlin in den Jahren 1834 und 1835 / von Friedrich Hoffmann
Entstehung
Seite
446
JPEG-Download
 

446

Ursprung der Quellen,

und machte auf ihren Spitzen eine Vertiefung; er setztesie dann mit ihrem Fufse ins Wasser, fand aber niemalsetwas in die Vertiefungen geflossen.

Man hat übrigens bei Aufstellung dieser Ansicht nochunberücksichtigt gelassen, dafs das Meerwasser durch blo-fses Durchseihen in feinen Röhrchen nicht von seinem !Salzgehalte befreit werden könne; und sollte diel's auchzum Theil der Fall seyn, wie es wohl möglich scheint,so ist der schon von Lulof gemachte Einwurf gewifssehr richtig, dafs durch die in den Zuführungskanälenzurückbleibenden Salztheilchen schon längst alle Zwi-schenräume verstopft seyn müfsten.

3) Ein dritter Weg der Erhebung süi’sen Wasserszu den Ursprungsorten der Quellen, wäre ein heber-förmiger Zusammenhang des Meeres durchRüh-ren mit dem Wasser im Innern der Erde.

In Röhren, welche mit einander heberfünnig komrau-niciren, stehen bekanntlich Flüssigkeiten von gleicherDichtigkeit stets in demselben Niveau, ihre Durchmessermögen auch noch so verschieden seyn; haben sie abereine verschiedene Dichtigkeit, so verhalten sich die Hö-hen in solchen Röhren umgekehrt wie diese Dichtigkei-ten. Diefs Gesetz, von dem u. a. die Konstruktion derBarometer abhängig ist, indem eine ungeheuer lange Luft-säule der Quecksilbersäule von 28 Zoll mittlerer Längedas Gleichgewicht hält, würde sich sehr füglich auch aufdas Verhältnifs des Meerwassers zum süfsen Wasser au-wenden lassen, wenn beide mit einander durch unterir-dische Kanäle in Verbindung ständen. Das mittlere spe-cifische Gewicht beider Flüssigkeiten verhält sich be-kanntlich nahe wie^ 100 : 103; es würde also eine Mee-restiefe von 100 Fufs bei dieser vorausgesetzten Verbin-dung einer Quellwassersäule von 103 Fufs Länge da sGleichgewicht halten. Nehmen wir nun aber an, dafsdas Meer, wie es La Place (Theorie der Ebbe undFluth) voraussetzt, eine mittlere Tiefe von geograpbi-