Buch 
Physikalische Geographie : Vorlesungen gehalten an der Universität zu Berlin in den Jahren 1834 und 1835 / von Friedrich Hoffmann
Entstehung
Seite
532
JPEG-Download
 

532

Intermittirende Quellen.

Fliefsen fortzufahren, dann wieder stille zu stehen umtso fort. Diese werden gewöhnlich intermittirendeoder aussetzende Quellen genannt. Sie sind die sel-tensten von allen, und wir wollen über den Grund die-ser merkwürdigen Erscheinungen hier nur noch einigeWorte hinzufügen.

Schon den Alten war das Intermittiren mancherQuellen sehr wohl bekannt, und Plinius führt einige |derselben in Ober-Italien an, welche auch von neuerenNaturforschern wieder aufgefunden sind. Die Ortsbe- JSchreibungen der Neueren sind oft mit Beispielen der- ,selben erfüllt, und wenngleich auch häulig sehr unkriti-sche, durch die Liebe zum Wunderbaren mit abenleuer- |liehen Zusätzen ausgeschinückte Berichte davon gegeben ,worden sind, so läfst sich doch im Allgemeinen an derRichtigkeit der einfachen Wahrnehmung nicht wohl zwei-feln. Häufig kommt dieselbe in ansehnlichen Gebirgs-ländern vor, und daher besonders bei uns in den Schwei-zer Alpen, von wo auch Bereits Scheuehzer vor ei-nem Jahrhunderte eine grofse Zahl von Beispielen be-kannt gemacht hat.

Man kennt dort eine grofse Zahl von Quellen, wel-che es mit einander gemein haben, den Winter übernicht zu fliefsen; sie beginnen dagegen im Mai und en-digen im August und September, weshalb sie dort all-gemein Maibrunnen und Frühlingsbruunen (fon-tes majales) genannt werden. Ihr Erscheinen ist leichtdamit erklärt, dafs sie in dieser Jahreszeit, welche auchzugleich die der Schneeschmelze ist, allein Zuflüsse er-halten, und alle, deren Zuflüsse aus den höheren Gebir-gen kommen, müssen daher diesen Charakter tragen, ge-mäfs den Eigenthümlichkeitcn des wechselnden Wasser-standes der Gebirgsflüsse, die wir oben schon berührthaben. Indefs giebt es auch mehrere Quellen hier, de-ren Intermittenz sich in engere Zeitabschnitte eiuschliefst,und von so allgemeinen Verhältnissen unabhängig ist.