Flufsnetz, Bedeutung für die Bodengestalt. 5-13
Auffassung der Bodengestalt so überzeugt, dafs man siekaum einer Prüfung, einer Vergleichung mit der Naturselbst, zu unterwerfen für nolhwendig hielt.
Es würde sich auch bei genauerer Betrachtung iuder That gegen diese Vorstellung nichts einwenden lassen,wenn wir nachzuweisen im Stande wären, dafs die Ver-theilung der Unebenheiten auf der Erdoberfläche in ih-ren allgemeinsten Verhältnissen das Werk des flicfsen-den Wassers wäre. Denn denken wir uns z. B. dieErdoberfläche ursprünglich von verschiedenartig gerich--teten Furchen, vielleicht den Resultaten alter Meeres-strömungen, durchzogen, und in einfachen Verhältnissenzwischen zwei benachbarten Furchen einen verrundetenLandrücken, so wird die Wirkung der fliefsenden Wäs-ser auf diese von dem Meere entblöfste, nothwendig vor-ausgesetzte Grundform sich leicht nachweisen lassen. So-bald atmosphärische Niederschläge erfolgen, werden die-selben an den Abhängen des Berges herabfliefsen; eswerden Quellen an denselben austreten, und natürlichauf dem kürzesten Wege des Falles ihren Abllufs in diebenachbarte Tiefe nehmen; senkrecht auf der Richtungdes Kammes werden sie dabei die Abhänge des Rük-kens durchfurchen, und ihn in eben so viele Nebenriik-ken zerschneiden, als sich Nebenarme zu dem Haupt-strome in der Tiefe gebildet haben; aber die Nebenrük-ken werden von den abfliefsenden Gewässern völlig ähn-lich wie der Hauptrücken zerschnitten werden, und sowerden sich denn auf ähnliche Art Nebenrücken zwei-ter, dann dritter Ordnung u. s w. bilden. So wird danndas Flufsnetz, welches das Land überzieht, immer mehrdahin streben, die etwa wegen Ungleichheit der Wirkungin verschiedenen Stellen vorkommenden Unebenheiten(Ungleichförmigkeiten) der Oberflächengestalt aufzuheben,den Stromgebieten immer mehr die Form regelmäfsiger,durch die Wasserscheidungslinien getrennter Becken zugeben, den Gebirgen immer mehr eine nach dem Laufe