544 Flufsnetz, Bedeutung für die Bodengestalt.
der Gewässer geordnete symmetrische Verkeilung ein-zuprägen, und folglich würde der Schlufs auf die Gestaltder Oberfläche eines Landes auf der Verkeilung seinerfliefsenden Gewässer völlig gegründet erscheinen.
Vergleichen wir ein solches von der Oberflächen-gestalt der Erdrinde nach diesen Grundsätzen entworfe-nes Bild mit einer unbefangenen Ansicht der Natur, sozeigt sich, dafs es nur an wenigen Orten anwendbar sey.An unzähligen Punkten werden wir Verhältnisse der Erd-geslalt finden, bei welchen uns der Führer, welchemGeographen und Kartenzeichner lange nur zu bereit-willig gefolgt sind, verläfst. Zwar werden wir über-all finden, dafs, wo die Gewässer gewirkt haben, siedanach streben, eine Oberflächengestalt zu erzeugen, wel-che der eben vorgeführten sich nähert; allein wir dür-fen dabei nicht vergessen, dafs der Schauplatz, auf wel-chem sie wirken konnten, in Beziehung auf die Gestaltund Verkeilung seiner Unebenheiten keinesweges nachden Gesetzen der einfachen Spülung geordnet war. Ge-birge haben sich in verschiedenen Perioden der Erdrin-denbildung erhoben und die Furchen zerstört oder un-terbrochen, welche vielleicht ältere Ströme auf derselbenzurück gelassen haben. Einzelne Theile der Erdrindesind, das läfst sich erweisen, abwechselnd bald Festlandbald Meeresgrund gewesen, und ein von der jetzigenVertheilung der Gewässer völlig unabhängiges Netz vonErhöhungen und Vertiefungen ist dadurch auf ihnen ge-bildet worden. Es erscheinen also die Ursachen vonder gegenwärtigen Oberflächengestalt der Erdrinde alsein sehr verwickeltes Problem, zusammengesetzt aus denWirkungen der wieder so mannigfachen veränderndenEinflüsse aller Epochen, welchen die gegenwärtige Ver-theilung der fliefsenden Wässer sich nach lokalgünstigenUmständen anschliefst, um neue sekundäre Veränderun-gen zu erzeugen, da sie die Grundzüge der Gestaltungnicht mehr zu bestimmen und auch nicht zu verwischen
ver-