Entgegengesetzte Flüsse in einem Thal. 559
mag wohl eine so der älteren Ansicht entgegengesetzteVertheilung der Wasserscheiden und der Unebenheitendes Landes Vorkommen, als hier; denn der Strom em-pfängt die zahlreichen Nebenflüsse von den Rändern desGebirges, und sie fliefsen in das Innere desselben. Wiewürde hier doch der Lauf des Gebirges so gerade derentgegengesetzte von dem scyn, den wir beobachten,wollten wir ihn nach der Vertheilung des Flufsnetzesauf die Karte eintragen.
Uebrigens ist es in der That sehr bemerkenswertli,dafs auch in den Niederungen Deutschlands, wo die Un-ebenheiten des Rodens nicht mehr so deutlich wahrnehm-bar hervortreten, die Flüsse solche Durchbrüche durchdie höchsten Theile der Landrücken haben. So dieOder unterhalb Frankfurt, die Elbe in der Gegend vonHitzacker. Es zeigt diefs, dafs offenbar daher über-all dieselben Ursachen gewirkt und dieselben Erfolgeherbeigeführt haben.
2 ) Bemerken wir zuweilen, dafs mehrereunabhängige Flüsse in einem und demselbenHauptthale oft nach verschiedenen Richtungenfliefsen, und dafs selbst sogar ein Zweig deseinen sich in den andern ergiel'st, so dafs als-dann gar keine Art von Geschiedenheit derStromgebiete mehr stattfindet.
Dieser Fall, gewifs der merkwürdigste von allen,die für die Unabhängigkeit der Gebirgsverlhcilung vonden Wirkungen der strömenden Gewässer sprechen, istfreilich nur sehr selten. Doch kennen wii 1 davon einigesehr ausgezeichnete Beispiele, und ihre Zahl dürfte sichvermehren, sobald die Aufmerksamkeit auf die Unzuläng-lichkeit der alten Ansicht von der Vertheilung der Was-
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serscheiden gerichtet bleibt.
Vor Allen hat Alex. v. Humboldt*) diesen Ge-
*) Mein, zur les causes des hifnreations des fleuves, im Jour-nal de l’ecole yolytechn. IV, p. 65. Helot, hist. VIII, 98.