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Physikalische Geographie : Vorlesungen gehalten an der Universität zu Berlin in den Jahren 1834 und 1835 / von Friedrich Hoffmann
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575
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Oberer Lauf. 575

Entwickelungsstufen der Stromsysteme nicht als mathe-matisch scharf begrenzte Gebiete derselben betrachtetwerden dürfen. Der Uebergänge und Vermittelungen,ja selbst Rückfälle aus einer Stufe in die andere, sindunzählige, und es gestaltet sich diefs Verhältnifs voll-kommen so frei wie die Verschiedenartigkeit der Ober-flächengestalt, von der wir, sobald die Anschauung insEinzelne geht, den Ueberblick verlieren, und ein schein-bar regelloses Gewirre von Erhebungen und Vertiefun-gen auf der Oberfläche erscheinen läfst.

In ihrem oberen Laufe werden die Strombettenvorzugsweise charakterisirt durch die ansehnliche Steige-rung ihres Bodens, durch die Höhe und Steilheit der be-grenzenden Uferränder und durch den geringeren Raumzwischen diesen Rändern und dem in ihrer Tiefe fort-rinnenden Wasser. Thalbildung und die Bildung einesBodens, auf welchem die Wässer ihr Bett frei auszuar-beiten vermögen, sind hier noch nicht von einander ge-trennt, und bei vielen Bergströmen im Hochgebirge, daswir hier vorzugsweise vor Augen haben, fliefsen die Ge-wässer sehr häufig auf dem nackten Fclsboden, in wel-chem die Thalwände sich unten spitzwinklich schliefsen.Ein eigentlicher Thalboden, wie bei allen Flüssen desHügellandes und der Vorberge, ist nicht vorhanden,und schäumend stürzt sich der Giefsbach von Felsen zuFelsen.

Wie aufserordentlich tief in den Grund des Gebir-ges die Thäler der ßergströme eingeschnitten sind, gehtaus vergleichenden Messungen der Höhe der Gebirgeund der Wasserspiegel an ihren Ausgängen hervor. Inder mächtigen Kordillercn-Kette sind die Ilochthä-ler nach Alex. v. Humboldt *) von 8- bis 10000 F.hohen Gipfeln und Kämmen umgeben, während sie selbstungefähr in gleicher Fläche über dem Meere liegen, und

*) llcJat. hist. X, p. 87.

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