602
Dclta’s der Zuflüsse.
des Flufsthalcs nicht in eine ursprüngliche Bucht sicherweitert, und wo Dünen auf Meeresgrund sich befesti-gen können. Zugleich wird vorausgesetzt, dafs die Be-wegung des Meeres nicht sehr gewaltsam und nicht sehrwechselnd sey; nur Meere ohne Ebbe und Fluth wer-den sie daher vorzugsweise begünstigen, denn wo diesemit einwirkt, wird die sich bildende Dünenreihe zerris-sen, und statt ihrer erscheint leicht eine Reihe von lang-gezogenen Inseln, die in einiger Entfernung von der Kü-ste gegen den Andrang der Wellen einen schützendenDamm bilden. Ein solcher Fall zeigt sich sehr deutlichan der norddeutschen Küste in der Inselreihe, die sichvon Neuwerk über Wangcroge, Langeroge etc.an den Mündungen der Weser, der Ems und derZuydersee vorüber bis zum Tcxel erstreckt, und inwelcher einzelne Inseln noch fortwährend von den Wel-len zerrissen werden.
Merkwürdig übrigens ist es wohl noch, und aus den-selben Grundsätzen erklärbar, dafs gleiche Erscheinun-gen, wie im unteren Laufe der Ströme, in der Nähe desMeeres auch bei Nebenflüssen sich zuweilen wiederfin-den, wo sie in Hauptflüsse münden. Ist der Hauptflufshinlänglich grofs und von geringem Gefälle, so dafs derNebenflufs nicht mit Gewalt fortgerissen wird, so ver-hält er sich gegen den letzteren wie das Meer gegenseine Zuflüsse; diese gabeln und verästeln sich, und bil-den vor ihrer Vereinigung förmliche Delta’s, die beson-ders bei hohem Wasserstande begonnen, und bei niede-rem Stande vollkommen ausgebildet werden.
Dieser Fall kommt besonders in Amerika vor, wodie Ströme, am meisten unter allen, wahren Meerbusensüfsen Wassers gleichen, und ist von Alex. v. Hum-boldt hervorgehoben und specieller betrachtet worden.Er sah diese Delta’s zur Zeit der Ueberschweimnungenvon einem einzigen Wasserspiegel bedeckt an der Ein-