Buch 
Physikalische Geographie : Vorlesungen gehalten an der Universität zu Berlin in den Jahren 1834 und 1835 / von Friedrich Hoffmann
Entstehung
Seite
618
JPEG-Download
 

618

Periodisches Steigen

kann demnach in Aegypten nach dem Stande des Nil-wassers drei Jahreszeiten unterscheiden *), vom Dezem-ber bis zum März niedrigster Stand, vom April bis Julimittlerer und vom August bis November höchster Stand.

Die Höhe, welche der Nil bei seinen Anschwellun-gen erreicht, ist in den verschiedenen Jahren sehr ver-schieden; 1799 war sie sehr gering, und man hatte einschlechtes Jahr, dessen olinerachtet stieg dennoch dasWasser zu Kairo 21,1 par. F. über seinen niedrigstenStand; 1800 dagegen war die Schwellung ungewöhnlichstark, und stieg bis zu 24,5 par. F. Girard glaubt des-halb das Mittel derselben zu 22,8 par. F. annehmen zumüssen, und aus den von ihm gemachten Messungen gehthervor, dafs die Wassermasse des Stromes bei diesemhöchsten Stande etwa um das Neunfache gegen den nie-drigsten vermehrt wird.

Künstlich an seinen Ufern durch diese beschränkt,läfst man übrigens das Wasser erst auf die benachbar-ten Ebenen strömen, sobald es seine grölseste Höhe sehrnahe erreicht hat, und beständig durch Querdämme, wel-che in gemessenen Zeiträumen nach einander durchsto-chen werden, in seinem Fortschreiten aufgchalten, läfstcs den mitgebrachten Schlamm auf die Aecker fallen, unddüngt und durchnäfst sie so zu gleicher Zeit für dasganze darauf folgende Jahr. Girard und nach ihmRitter haben das Detail dieser uralten und künstlichenBewässerungsanstalten vorgetragen, welche in Ober- undMittel-Aegypten zum Theil sehr von einander abweiclicn,und auf sie mufs ich daher verweisen; hier indefs wirdes vielleicht noch von Interesse seyn, über die aus die-sem jährlich erneuerten Vorgänge entstehende Erhöhungdes Bodens zu sprechen, welcher muthmafslich das ganzeTiefland Aegyptens nicht nur seine gegenwärtige Gestalt,sondern wohl auch seine Entstehung verdankt.

) Ritter’s Erdkunde I, 837.