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stumpft seyn müssen. Nach dem Grade dieser Abstumpfung rich-tet sich die Grüße der Zwischengänge, und wo die leztere sehr be-deutend ist, wie im Zellgewebe der Kapuzinerkresse (Iro-pnevlum mHus), da bilden auf dem Querschnitte die Schnitt-flächen der Zellen, statt der Sechsecke (mit schwach gestuzten Ecken),fast regelmäßige Zwölfecke. Aus der hier erklärten Entstehungs-weise des Zellgewebes falzt endlich ganz natürlich, daß jede Wand,welche zwei Aellcnhbhlcn scheidet, doppelt ist; eine Thatsache, dievon Vielen geläugnct wurde. Bei dem vollkommenen Zellgewebesind die Wände zweier sich berührender Zellen meist fest aufeinandergewachsen und es läßt sich hier gewöhnlich das Daseyn der doppeltenWände nicht mehr augenfällig nachweisen; desto leichter ist dießaber bei dem unvollkommenen Zellgewebe möglich, wo sich häufigdie einzelnen Zellen als völlig geschlossene Schläuche trennen las-sen (^>8- 2V.). Uebrigcns würden uns auch im ersten Falleschon die Iwischcngängc, wenn wir einmal deren Bau und Ver-lauf richtig erkannt haben, bei einigem Nachdenken zu dem Schlüsseführen, daß jede Zelle von ihrer eigenen Membran umschlossenund demnach die Scheidewand zwischen je zwei Zellen doppeltseyn müsse.
§. 9.
Außer den Zwischengängen der Zellen finden sich noch andereRäume im Zellgewebe, welche dem Augenscheine nach ebenfalls nurvon den Wänden der ihnen zunächst liegenden Zellen umschlossenwerden und nicht aus einer eigenen Membran gebildet sind. Da-hin gehören die Saftgängc, die Saft behält er und dieLuft hohlen. — Die Saftgänge sind Kanäle von sehr verschie-denem Durchmesser, doch meist bedeutend größer als die Znter-ccllulargänge, welche vorzüglich in der Rinde und im Baste, beimanchen Pflanzen aber auch im Innern des Stammes, in denBlattstielen und Vlattrippen angetroffen werden; sie laufen mehrin gleicher Richtung mit der Längenachsc der Pflanzen und ihrerTheile (kiA. 58. hhh), wiewohl sie auch häufig durch quer gehendeAeste untereinander in Verbindung stehen; sie führen einen Saft,der schon weiter verarbeitet ist, als der in den Jnterccllulargängcnenthaltene, oft gefärbt vorkommt und dann unter dem NamenMilchsaft bekannt ist. Wo dieser Saft eine auffallende Farbe