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1 (1834) Allgemeine Botanik I / von Gottl. Wilhelm Bischoff
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40
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oder eine vvn den übrigen Säften des Zellgewebes verschiedenebonsistenz besizt, da lassen sich die Saftgänge auf einem Quer-scbnitte der Pflanze leicht an dem ausströmenden Safte, zuweilenscheu mit unbewaffnetem Auge, erkennen, wie bei den Wolfs-milcharten (knipliorbin), beim Schöllkrauts (tüieliäuuiumninjus) und bei jungen Kiefern- und Tau ncnzw eigen (^ix.61. an). Die Sastgäuge, wenigstens die größer», zeichnen sichnoch dadurch aus, daß die Zellen, welche ihre Wände bilden, ge-wöhnlich kleiner sind als die übrigen Zellen, wie dieses 41.aus der Tannenrinde zeigt. Dieser Bau scheint zwar derAnnahme (Kieser's) zu widersprechen, daß die Saftgänge ausZutcrccllulargangen durch allwälige Erweiterung derselben ent-standen seyen: wenn maki aber zarte Durchschnitte ausder Wurzel und dem unterirdischen Stocke des Schöll-krauts unter dem Mikroskope betrachtet, so sieht man die klei-nern, mit ihrem vrangegclben Safte erfüllten Saftgänge genauan den Stellen der Jntercellulargänge liegen und es möchte dochobige Annahme in vielen, wenn auch nicht in allen Fällen alsdie richtigere sich bewähren. Denn die Angabe mehrerer neuernSchriftsteller (Schultz, Meyen), daß die Saftgänge eine ei-gene, aber »»gemein zarte und durchsichtige Membran besitzen,weßwegcn sie dieselben als wirkliche Gefäße betrachten, hak»och so viele Zweifel gegen sich, daß wir sie vor der Hand nichtals zuverläßig können gelten lassen. Die Saftgänge kommenwahrscheinlich in allen höher organisirten Pflanzen vor, sindaber in vielen, wegen der Farblosigkeit ihres Saftes, vielleichtauch wegen ihres geringen Durchmessers, noch nicht mit Be-stimmtheit nachgewiesen. In den Saftgängcn ist der Saft nochin Bewegung, wie uns das Ausströmen desselben auf den Durch-schnitten der milch- und harzführcnden Pflanzen deutlich zeigt,und er muß daher noch in steter Wechselwirkung mit der orga-nischen Thätigkeit der Pflanze stehen.

§. 10 .

Bon den Saftgängen sind deßwegen die bloßen Saftbc-bälter wohl zu unterscheiden, nämlich hohle Räume, ebenfallsim Zellgewebe gebildet, in welchen sich eigene, abgeschiedene Säfteansammeln, die keine Bewegung zeigen, oft in einen mehr oder