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6 (1844) Das amerikanische Staatensystem, das mohammedanische Staatensystem, die christlichen Staaten von Abyssinien, das buddhaistische Staatensystem und die Heidenwelt : nach den geographisch-statistischen Hauptverhältnissen / von Dr. Heinrich Berghaus
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Amerikanisches Staatensystem.

und mehr nach der Vater Weise, und dabei treten, namentlich bei denAnglo-Amerikanern, so viele eigenthümliche Züge hervor, das; der Amerikanerenglischer Herkunft sich auffallend von dem Briten der jetzigen Zeitunterscheidet. — Ein Anglo-Amerikaner, sagt Bii deck (nach Grund unddem Verfasser der „transatlantischen Reiseskizzen" der beste Sittenschildererder Amerikaner), ist kein Engländer, aber ein Deutscher bleibt immer einDeutscher, ein Franzose immer Franzose bis in das vierte, vielleicht bisin das zehnte Glied. — Die Gesellschaft in Amerika bildet sich aus einergroßen Anzahl heterogener Elemente, und die Regeln der Cvnvenienz sinddeßhalb weniger bestimmt als in Eürvpa. In den großen Städtenbesteht sie aus Personen aller Länder und Welttheile, mit einer schätz-baren Mischung von „Süd-, Oft- und Westländern," welche Namen inAmerika beinahe eben so viele Verschiedenheiten des Menschengeschlechtesbezeichnen. Unter diesen Umständen bietet ein amerikanischer Salon oftAnomalien dar, die zwar anfangs auffallen, selten aber beleidigen, undsich immer durch die politischen und moralischen Verhältnisse des Landeserklären lassen. — Kunst und Verfeinerung sind weniger Zierden derGesellschaft und mehr das Eigenthum Einzelner, als eine allgemeineCharakteristik einer guten Erziehung; denn die Amerikaner haben, mitwenigen Ausnahmen, keine Zeit für die Ausbildung des eleganten Welt-tons, den sie als bloßen Zusatz zur Civilisation ansehen, aber siesind dessen ungeachtet ein sehr geselliges Volk und auf eig/ne Art unter-haltend und angenehm.

Um die Sitten und Gebrauche, den Charakter der Amerikaner ganzzu würdigen, muß man auf ihren Ursprung zurückkehren, wo es sichzeigen wird, daß beinahe alles, was ihr Charakter Werthvoltes undKräftiges enthält, anglo-germanischen Ursprungs ist, daß aber auch alleihre Eigenheiten und Schwächen aus derselben Quelle fließen. Diegesellige Bildung und Sittlichkeit der Engländer bildet in ihrer ganze»Strenge, und verstärkt durch die feierlichen Gebote der Religion» de»Grundstein zu dem, was jetzt als amerikanische Gesittung erscheint. DieAnsprache und das Benehmen eines Amerikaners sind vielleicht wenigergeschmeidig, aber es ist etwas in der Zusammensetzung seines Charakters,was Achtung einflößt: eine Würde, welche sich nicht mit niedriger Listund Verstellung verträgt, und ihn unfähig macht, sich wissentlich z»rEntstellung der Wahrheit oder zur Lüge herabzulassen. Der Stolz, wel-chen man im Allgemeinen den Amerikanern vorwirft, und daß sie esnicht lassen können, stets die Zweckmäßigkeit ihrer civilen und politischenEinnchtungen zu rühmen, und dagegen jene fremder Nationen herabzu-setzen, ist in gewissen Perioden allen Völkern eigen, und daher zu ent-schuldigen; denn, muß ein Volk nicht stolz sein, im Verhältniß desAntheils, welchen dasselbe an der Regierung seines Landes hat? Und istes denn ein Wunder, wenn ein solches Volk andere Völker nur nachdem Grade ihrer erworbenen Fr>iheit schätzt, und so manchmal den Kohlhöher trägt, als den Begriffen eüropäischer Artigkeit angemessen scheint-— Einen zweiten merkwürdigen Charakterzug der Bewohner der Unio»bildet ein gewisser Grad von Ernst, der zuerst als Mangel an Gesellig-keit erscheint, aber ebenfalls in seiner ganzen Entwickelung beruht: D«tAmerikaner ist beinahe von seiner Wiege an gewohnt, über sich n»hseine Verhältnisse nachzudenken, und von der Zeit an, wo er handeln^auftritt, auf die Mittel bedacht zu sein, sie zu verbessern. Ist er reich-und deßwegen mehr betheiligt im Gesammtwohl des Staates, dann fot*