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6 (1844) Das amerikanische Staatensystem, das mohammedanische Staatensystem, die christlichen Staaten von Abyssinien, das buddhaistische Staatensystem und die Heidenwelt : nach den geographisch-statistischen Hauptverhältnissen / von Dr. Heinrich Berghaus
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Amerikanisches Staatensystem.

vor das Forum des Richters; geheime Sünden aber bewacht und ver-folgt das allgemein herrschende und religiöse Gefühl, und hierin bestehtdie eigentliche Gewalt und der segensreiche Einfluß der öffentlichenMeinung. Das ganze Volk der Vereinigten Staaten ist versammeltzum permanenten Geschwornengericht, um da sein „Schuldig" oder „Nicht-schuldig" über die öffentlichen Handlungen seiner Bürger auSzusprcchen,und von seinem Aussprache gibt es keine Appellation: man entschuldigthier nicht die Sonderbarkeit des Geschmacks bei Künstlern und Dichtern,»roch weniger aber ihre Genußsucht, noch verzeiht man einem Staats-manne seine Privatsünden, weil er dem Volke Wohlthaten erwiesen,oder einem Soldaten die Wunden, die er der weiblichen Tugend oderder Unschuld schlug, in Rücksicht auf jene, die er im Dienste des Vater-landes erhielt, noch weniger aber die Fehler der Geistlichkeit, in Erwä-gung der Moral, die sie durch ihre geistlichen Funktionen unterstütztund gefördert, — in Amerika findet keine solche Abrechnung statt; Pri-vat- und Bürgertugend stehen höher als die größten Eigenschaften desVerstandes, und sind selbst unerläßliche Begleiter des anerkanntestenGenies. Von dem Augenblick an, wo ein Kandidat für eine Stelle sichdem Volke zeigt, werden nicht bloß feine geistigen Fähigkeiten für dasAmt, um das er sich bewirbt, sondern auch sein Privatcharakter zürnGegenstand der unerbittlichsten Kritik gemacht: Alles, was er in seinemLeben gesagt, gethan oder gehört hat, von der Zeit, wo er die Schultverlassen, bis auf den gegenwärtigen Augenblick, kommt noch einmalvor den Nichterstuhl des Publikums; die unbedeütendsten Ereiguisse-welche auf seine Beweggründe das geringste Licht werfen können, werte»mit bedächtigem Scharfsinn geprüft und überlegt, und Thatsachen nissUmstände, welche längst der Vergessenheit anheim gefallen waren, wer-den noch einmal vor das Richterange des Volkes gebracht. Diele blei-ben allerdings auf diese Art vom Paradies ausgeschlossen, die dahi»zu kommen ein Recht haben; doch wird dadurch auch mancher heidnische"Götzenverehrung gesteuert, die das Volk von seinem Glauben abbringe»könnte. — Sittlichkeit und Anstand fordert man indeß in Amerika nietstnur von einem Staatsmann, sie sind unerläßliche Bedingungen desErfolges eines jeden Bürgers. Der Kaufmann, der einen tZchreibetbedarf, der Meister, der einen Gesellen dingt, der Landmann, der ei>üHülfe (sielp, einen Diener oder Knecht) sucht, machen jeder das mvrsslische Betragen zur Hauptbedingung des Vertrags, und folgen hier!»nicht ihren eigenen Ansichten, sondern der öffentlichen Meinung übet-Haupt. — Ein fernerer Charakterzug der Amerikaner, welcher mit de»'vorigen nahe verwandt und gewissermaßen eine Folge desselben ist, beste»in der allgemeinen Achtung des weiblichen Geschlechts und in de>"Schutze, welchen man dasselbe genießen läßt, welcher Klaffe der Gese^schaft die Frauen auch angehören mögen. Nirgends sind die Straft»-die das Gesetz oder die Regeln der Konvenienz über Beleidigungen v§»Frauen verhängen, so streng als in den Vereinigten Staaten, und d».Begehen eines solchen Verbrechens schließt den Schuldigen nicht nur v»»aller guten Gesellschaft aus, sondern schadet auch dem Fortgang sel'rss'Geschäfte, seinem Ruf, seinem Ansehen, seinen Aussichten auf Erft'»und jeder Hoffnung seines Lebens. Kein Rang oder Reichthum verw»»ihn gegen den Fluch der öffentlichen Meinung zu schützen, und u»ssallen Verbrechen gegen die Gesellschaft bestrafen die Amerikaner dien.mit ihrer ganzen Strenge; alle erhalten Vergebung, nur dieses säft'"

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