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6 (1844) Das amerikanische Staatensystem, das mohammedanische Staatensystem, die christlichen Staaten von Abyssinien, das buddhaistische Staatensystem und die Heidenwelt : nach den geographisch-statistischen Hauptverhältnissen / von Dr. Heinrich Berghaus
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96
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Amerikanisches Staatensystem.

ersetzt dem Gefühle nicht die Hinweisung auf die büßende Magdalene,„der viele Sünden vergeben wurden, weil sie viel geliebet hatte." — DerMangel an Liebe in allen seinen Doktrinen, und sein Verweisen aufVerstandesschlüsse in den meisten Fällen, wo das Herz lauter spräche,als alle Anforderungen einer ernsten, vernünftigen Sitteniehre, hat aufdie außerordentliche Verbreitung des Methodismus wesentlich beigetra-gen, und außer ihm haben die Methodisten ihre Vermehrung nur nochder beinahe zu schnell um sich greifenden Hierarchie der vier Haupt-Kon-fessionen, der Episkopalen. Prcsbyterianer, Reformirten und Lutheranerzu danken. Der Amerikaner, besonders der westlichen Staaten, kannderlei Dinge nicht wohl vertragen, und er wählt daher lieber den Me-thodistenprediger, dessen schwärmerischer, evangelischer Feuereifer mehr zuseinem Herzen spricht, als das Raisvnnement des kalten Presbyterianersoder anglikanischen Predigers. — Nur methodistische und katholischeMissionäre sind fähig, solche Entbehrungen zu ertragen, und was auchüber die Bekehrungöwuth beider Kirchen gesagt werden mag. im Westender Vereinigten Staaten haben ihre Geistlichen mit unendlichen Auf-opferungen Außerordentliches geleistet, und die der Methodisten tausend«von Bibeln in der Wildniß vertheilt. Man muß, um die Arbeiten die-ser Missionäre zu würdigen, eine Idee von den Entbehrungen habe»,denen sie ausgesetzt sind: Tausende von Meilen durch psad- und weg-lese Wildnisse zu reiten oder zu wandern, um Ansiedelungen von 5 bisS Häusern aufzusuchen, und da eine Predigt zu halten, die oft gar nichtverlangt wird, ist, nebst einem rauhen, oft unfreundlichen Empfange»das gewöhnliche Lvoö dieser Missionäre, und doch setzen sie ihre Be-mühungen unermüdlich fort, und ihre Beharrlichkeit und Ausdauer wirdendlich vom glänzendsten Erfolge gekrönt. — Es läßt sich zwar nichtverhehlen, daß die Neligionöübungen der Methodisten, besonders abetihre sogenannten »Oump Meetings,« oder Zusammenkünfte im Freien»manches haben, wogegen Religion und Sittlichkeit sich auflehnen; in-dessen steht zu erwarten, daß in einem Lande, wo der Enthusiasmus sdganz und ohne Widerstand austoben und ausgährcn kann, wie in Nord-Amerika, die Schattenseiten bald verschwinden und einer vernünftigesRuhe Platz machen werden. — Der Glaube an die Prädestination unddie wirksame Gnade, welche den beiden Sekten der Baptisten und M-thodisten eigen ist, schafft ihnen die meisten Prediger; denn Jeder, werdazu Lust hat und Beruf in sich fühlt, kann Prediger werden, wenn erZuhörer findet; wem die innere Stimme oder der Geist ruft, der besteigtdie Kanzel, und wenn dieser Geist oder diese innere Stimme die gutesLeute auch öfters täuschen mag, denn oftmals hört man die größtesAbsurditäten, so haben doch alle diese Sekten im Ganzen genommesnicht so viel Arges als man denkt: die Religion steht mit der Aufklä-rung des Volkes in geradem Verhältniß; — die aufgeklärte und höhe^Klasse findet man unter den Episkopalen, die Mittelklasse mit zahlrei-chen Ausnahmen unter den Preöbyterianern, dis große Masse unter desBaptisten, und die Schwärmer und Eiferer aller Klassen unter denthodisten. Der einfache Wakdansiedler (Lselrrvoostsmsn), der in desWäldern des Westens auferzogen wurde, und von der Bibel gerade ssviel weiß, daß sie ein gedrucktes Buch ist, schließt sich, wenn er teürsch^Herkommens ist, an die Tunker; ist er ein Anglv - Amerikaner an d>^Christians oder Ne^v-men. Fragt man die beiden letzter» nach ihr§sReligionsbegriffen, dann sehen sie einen mit großen Augen an, und ih^