Amerika.
381
Amerikaner hatten die Bevölkerung des Landes begonnen, die Stromeund Küsten untersucht, die Einöden für Kultur gewonnen, die Indianer-Horden mit Aufopferung ihres Lebens zurückgedrängt, und ihnen Ruheund Achtung der Grenzen Mexiko's auferlegt; sie waren auf besondereEinladung der Regierung gekommen, hatten sich den Entbehrungen undMühseligkeiten eines Ansiedlerlebens unterworfen, und einen Staat zugründen begonnen, der einst der mächtigste Theil Mexiko's zu werdenversprach; Viele hatten ihre Verwandten und Familien in den Verei-uigten Staaten zurückgelassen, und sahen einer baldigen Vereinigungmit denselben entgegen, die durch dieses Gesetz abgeschnitten ward. —Die Protestation der Kolonisten gegen das Gesetz bewirkte Suspensiondesselben, doch keine» Widerruf; dessenungeachtet begnügten sich die An-siedler damit. Der herrschenden Faktion wurde es indeß klar, daß dieNord-Amerikaner nie solche Unterthanen werden würden, wie sie die mi-litärische Priester-Regierung Mexiko's zu haben wünschte, und unter ver-schiedenen Dorwänden brachte die Central-Regierung allmälig Truppennach Texas. Die Kolonisten, eifersüchtig auf jedes ihrer Rechte, wider-setzten sich nie, sondern erfüllten gern jedes billige Begehren der Befehls-haber dieser Truppen, um das gute Vernehmen mit der mexikanischenRegierung aufrecht zu erhalten; als aber der Frieden nur mit Aufopfe-rung all' ihrer Rechte und der Sicherheit ihres Eigenthums zu erkaufenwar, als Militärgewalt die ungesetzliche Verhaftung mehrerer Bürgerbewirkt hatte, versammelten sich die Kolonisten, ohne Einvcrständniß undTumult, in kleiner Zahl vor der Garnison Anahnac, und verlangten dieFreilassung der Gefangenen, ein Begehren, welches nach Wechselnngeiniger Salven auch bewilligt wurde. Mittlerweile erhob sich Vera-Cruzunter Santa Anna gegen die militärische Gewaltanmaßnng Bufta-Mentes, und die Texaner erklärten sich einstimmig für die ParteiSanta Anna's, für die Konstitution von 1824 und für gesetzliche Regie-rung. Die Feindseligkeiten begannen am 2ü. Juni 1832; die Autoritätder Central-Regierung unter Bustamente war in Texas umgestürzt, undwie ganz Mexiko lag auch Texas in einer allgemeinen Anarchie: Lokal-Regierung bestand fast nirgends — Justizbehörden wenig. — Die Appel-lationsbehörde zu Monclova und die gesetzgebende Behörde des StaatsCohahuila und Texas waren 6N« Meilen entfernt, die bestehenden Ge-setze in einer der neüen Bevölkerung unbekannten Sprache abgefaßt,uirgends gesammelt und promnlgirt, waren gänzlich unbekannt und vonden wenigen bestehenden Behörden ignorirt — ein Zustand, der gewißdringende Abhülfe erheischte. Zu diesem Zweck versammelten sich dienotabelsten Einwohner im Winter 18^/zi in Sau Felipe und verfaßteneine Konstitution des Staates Texas und eine Eingabe an die General-Regierung mit der Bitte: den neüen Staat von Cohahuila zu trennen.T" Leider wurde dieses Begehren in dem Augenblicke ausgesprochen, als>u Mexiko die herrschende Partei mit Mißtrauen auf Texas blickte, undAuch der einflußreichste und geachtetste Mann in Texas, General An-ilin, war diesem Schritte ebenfalls entgegen, obgleich er, dem Volks«'Villen nachgebend, es der General Regierung vorlegte und mit seinempersönlichen Einfluß unterstützte. — Seine Bemühungen in der Haupt-siadt waren vergebens; seine Stimme fand im Tumult der dort Herr-lenden Anarchie kein Gehör, vbschon er zu verstehen gab, daß dietexaner entschlossen seien, sich selbst zu helfen. Endlich überzeügt, daßNichts von der General-Regierung erwartet werden könnte, schrieb er