Buch 
6 (1844) Das amerikanische Staatensystem, das mohammedanische Staatensystem, die christlichen Staaten von Abyssinien, das buddhaistische Staatensystem und die Heidenwelt : nach den geographisch-statistischen Hauptverhältnissen / von Dr. Heinrich Berghaus
Entstehung
Seite
428
JPEG-Download
 

428

Amerikanisches Staatensystem.

sich eines Tages der Regierung und Herrschaft des Landes bemächtigenkönne.

Wissenschaft und Kultur; Betriebsamkeit; National-Reich t h n m. — Mexiko ist, trotz seiner moralischen Gesunkenheit,immer noch voll Spuren ehemaliger Große; bedeutende Städte undeine hohe Kultur zeichneten es einst aus, und hat auch der erste Bischof

von Mexiko in seiner fanatischen Wuth, um dem Christenthum schneller

Eingang zu verschaffen, alle Denkmale der Geschichte, Literatur, Knustund Wissenschaft austhürmen und verbrennen lassen, so zeugen doch indüstern Wäldern verwachsene Ruinen, daß die frühere indianische Be-völkerung eben so hoch, wo nicht höher stand, als die jetzige, mit sammt

ibrem Anstrich von eüropäischer Kultur. Indeß selbst noch jetzt steht

Mexiko in Hinsicht auf Civilisation unter den neüen amerikanischen Staa-ten spanischer Nationalität auf der höchsten Stufe. Der Bergbau istdie Hauptqnelle des mexikanischen Nationalreichthums, er ist aber durchdie Revolution sehr gestört worden. Durch auswärtige Bergbangesell-schaften von Engländern und Deutschen, die mit großen Kapitalien ar-beiteten und zu großen Spekulationen durch ihn veranlaßt wurden, be-lebte er sich wieder von Neuem, und veranlaßte eine bedeütende Circ»-lation fremden Geldes; die ursprünglichen Aktionäre aber werde»schwerlich ihre Einzahlungen wieder zu sehen bekommen. — Der Acker-bau ist ebensowenig blühend, und kennt, trotz dem Neichtbum der Natur,fast gar nichts weiter als Maiskultur und etwas Zuckerpflanzungen. --7Die Viehzucht ist bedeütender, wenigstens verbreiteter, und wird durchansebnliche Weiden unterstützt. — Die Industrie steht eben so tief alsdie Landwirthschaft; früher stand sie höher; die Revolution brachte sieaber zurück, und jetzt macht sie nur langsame Fortschritte. Schöne Gold-und Silberarbeite» finden sich in der Stadt Mexiko; der Haupksitz desKunstfleißes aber ist Puebla de los Angelvs, wo die einzige Glashüttedes ganzen spanischen Amerika's ist, und Fayence, Gewehre, Tücher,baumwollene Zeüge, gute Tressen und Stickerei-Arbeiten gemacht werden-Rum- und Tafia-Brennereien findet man bei allen Zuckerpflanzuuge» -Pnlqu« wird in verschiedenen Theilen des Landes aus der Agave ge-wonuen, und Papiermühlen finden sich zu Guadalaxara, Querrtaro undSän Angelo. Die Arbeit wird mit Indianern betrieben und die Arbe>-ter sehr streng behandelt; die Fabriken gleichen daher Gefängnissen undsind Sitze der Sklaverei, daher auch der Gewerbfleiß von der Masse desVolkes verachtet wird. Man verurtheilt Verbrecher auf viele Jahre l»Fabriken — auch werden viele Personen Schulden halber dahin versetzl-Die Eigenthümer der Fabriken zahlen auch in diesem gold- und silberre«-chen Land nicht mit Geld, sondern mit Tabak; die Fabrikgebaüdemit hohen Mauern umgeben, und in denselben finden, trotz der prokla^mirten Freiheit, körperliche Züchtigungen statt. — Der Handel hat ü^seit der Freiwerdung des Landes in etwas gehoben, besonders zu Der»"Cruz und Tampico, doch noch nicht zu der Höhe, wie man von eine»Lande von solcher Ausdehnung und Bevölkerung erwarten sollte,bedeütendsten Einfuhrartikel sind: Leinenwaare» aller Art, Baumwolle»-'Seiden- und Wollenwaareu (besonders feine Tücher, Casimirs, Kamelsund Sergen), Putz- und Modewaaren, Papier, Glas, Guß- und Schmied "Eisen, Eisen- und Stahlwaarcn, Wein, Branntwein, Cacao (aus de>Hafen Guayaquil), Öl, Wachs und gesalzene Fische. Der Totalwerder Einfuhr in Mexiko betrug 1840: ir>,»5tt,980 Dollars, worunter