Buch 
6 (1844) Das amerikanische Staatensystem, das mohammedanische Staatensystem, die christlichen Staaten von Abyssinien, das buddhaistische Staatensystem und die Heidenwelt : nach den geographisch-statistischen Hauptverhältnissen / von Dr. Heinrich Berghaus
Entstehung
Seite
440
JPEG-Download
 

440

Amerikanisches Staatensystem.

2. Das Nolk.

Die Volksmenge der Republik Aucatan belauft sich auf 479,400 undmit Chiapa auf 614,400 Seelen, doch sind hierunter die Incli»« biuvos,die das Innere der Halbinsel und die Ostseite bewohnen, so wie die Bri-ten der Kolonie Batike nicht mit inbegriffen. Die Volködichtigkeit derHalbinsel beträgt milbiu 220, der ganzen Republik aber nur 155,. DerRasse nach begreifen die Indianer 85, die Weiften 3,§, die Schwarzen0.2 und die gemischte Nasse I I,, Prozent. — Das Gros der Bevölkerungsind Indianer, auf der Halbinsel von einem von den Azteken verschiede-nem Stamme, welcher die Mayafprache spricht; im Süden, auf demHochplateau, Cdavancgos, die schon in früheren Zeiten aus Nicaraguaheraufzogen und sich mit den Zoqnes, Celtales und Quelemesmits amal-gamirten, und in Socvnusco die Mams, die alle ihre Sprachen beibe-halten, dabei aber auch znm größten Theil die spanische angenommenhaben. Der größte Theil der indischen Bevölkerung hat mit den Gesetzender Weißen das Christenthum angenommen, aber dabei noch manchesaus der Religion der Vater beibehalten, unter allen aber herrscht noch ;das Andenken an den edlen Las Casas, den Apostel der Indianer, der60 Jahre lang die Wildnisse durchwanderte, alles versuchte, die Leidender Eingebornen zu mindern, mit christlicher Liebe und Selbstaufopferungdie Wunden heilte, welche barbarische Helden schlugen, und ohne Aus-sicht auf schändlichen Gewinn, sein ganzes Leben dem unterdrückten Volkewidmete; der verschiedene Male nach Spanien reiste, dort die Indianerzu beschützen und zu vertheidigen, und selbst am Throne diejenige Sprachezu führen wußte, die einem Manne der Menschheit ziemt. Er bat imH'iligenkaleuder zwar keinen Platz gefunden, aber in den Herzen derIndianer von Chiapa und Jucatan lebt er fort, obgleich Jahrhunderteseitdem vergangen.

Der Kunsifleiß der heütigen Bewohner Aucatans ist von keinem Be-lang und beschränkt sich auf Gewebe von Baumwolle, Wolle und Pita,auf die Verfertigung irdener Geschirre und auf Salzschleinmcrei; vondem früheren Kunst- und Hausfleiß, den die Conquistadoren hier und inChiapa vorfanden, ist wenig auf ihre Nachkommen vererbt. — Der Han-del ist ebenfalls noch nicht bedeutend, obgleich das Land zu einem Ha»'delöstaate sehr geeignet liegt und eine Fülle roher Naturprodukte bietet-Die Ausfuhr besteht in Campeche- und Mahagoni-, in Schiff- und Bau-holz, Tolu- und Copaiva-Balsam, in Baumwolle, Wachs, Ambra, deran der Küste in Menge gefischt wird, Salz und gestreiften Kattunen-Alles geht über Vera-Cruz, von woher auch der Staat bis jetzt seineM-dürfnisse zieht. Zwar hat Aucatan selbst zwei Häfen, bei Campeche,der Mündung des Sau Franciscv, und zu Sizal, aber bis jetzt legst»nur selten Schiffer dort an, und eine eigene Schifffahrt wird noch »ichbetrieben, dagegen aber ein lebhafter Schmnggelhandel mit der KolonsBalize unterhalten. Früher eine Provinz des Königreichs Neüspan'^und später ein selbstständiges Glied des mexikanischen Staatenverel»»'lag Yucatan fortwährend mit der Bundesregierung in Hader. Diev°>Santa Anna durchgeführte Einheit des Staats, durch welche auch N 'catan seine Rechte verlieren mußte, mehrte den Unfrieden, und ein a'

1. S-Pt. 1841 zusammengetretener Kongreß sprach die Unabhängigke" ^erklärung aus, trennte sich von Mexiko, verband sich, unter Annah .einer, nach den liberalsten politisch-religiösen und kommerziellen Prni