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Amerikanisches Staatensystem.
Spielsucht, Ausschweifungen u. s. >v. sind ebenfalls nicht selten. —Andererseits herrschen aber auch wieder Tugenden unter den Einwohnern,von denen man anderwärts kein Beispiel hak: Diebstähle sind äußerstselten, obschon die Mittel hierzu äußerst leicht sind, indem auf demLande die Thüren nur selten Riegel und Schlösser haben. Ebenso herrschtauch vollkommene Sicherheit des Eigenthums und der Straßen im Lande,und trotz drr Masse Bettler in den Städten, findet man auf den Straßenkein verdächtiges Gesinde!; in den Minenorten liegt das.Gold oft inBarren umher, ohne daß man je von einem Diebstahl hört, und dieauf dem Transport begriffenen, durch Manlthiere fortgeschafften Waarenwerden Abends auf einem entlegenen Wirthshaus« abgeladen und ineinem Schuppen aufbewahrt, der weder bewacht noch verschlossen ist,ohne daß man je gehört, daß etwas entwendet worden wäre.
Die Sitten der Einwohner sind halb europäisch, halb indianisch. DieGebildeten kleiden sich nach englischer oder französischer Mode; von denSpaniern hat man blos den Mantel beibehalten. Alles raucht, selbstdie Frauen haben ihre Cigarren im Munde und ein Spannferkel, ihreLieblinge, auf dem Schooße. Die Männer ruhe» in den heißen Gegendenin Hängematten, die Frauen in Betten. Die Kost der Einwohner isteinfach und schmal, aber man ißc fünfmal des Tags, und das TropeMklima scheint die Verdauung zu befördern. Das Brod ist trefflich, dstgemeinen Lebensmittel überhaupt sehr wohlfeil; Cacao wird allgemeingenossen, und selbst der ärmste Reger trinkt seinen Cacao mit Zucker.Wissenschaftliche Bildung findet man nur bei Geistlichen; aber gute na-türliche Anlagen scheinen alle Einwohner zu besitzen, und Viele lstst»schon in den öffentlichen Versammlungen große Beredsamkeit an den Tag-nngeachtet sie erst einige Jahre die parlamentarische Laufbahn betrete»haben. ,
Die Nationalbetriebsamkeit ist bis jetzt noch von keiner großen Be-deutung. Der Bergbau, die Hanpterwerbsqneile des Landes, ist gegen-wärtig sehr vernachläßigt, und die Bearbeitung der Gruben sehr schlecht-Es fehlt an Werkzeügen; man wendet weder Rampen, noch Maschust"'noch Dampfmaschinen an, ja, nicht einmal Schießpnlver; der ewige Krieg ^hatte dem Bergbau auch hier bedeutend geschadet, da das Änfgeb»' !zum Kriegsdienst die Arbeiter fast alle von den Gruben rief. Der Acker-bau steht auf einer noch tiefer» Stufe als der Bergbau, und der La»^mann findet sich in großer Armuth, obschon das Land sehr ergiebig 1 » >gerade aber diese Ergiebigkeit ist es, welche die Armuth veranlaßt. „D-großen Fruchtbarkeit wegen ist nämlich der Boden mit großen Steuerund Abgaben belegt, und doch hat der Landmann, besonders des 'gels an Straßen wegen, keinen Absatz seiner Produkte, so daß er st . !
Getreide oft nicht einmal in die nächste Provinz bringen kann, voncher ihn gewöhnlich große snmpsigte Distrikte trennen. Dieß und/'große Mangel an Landbebanern macht, daß, obgleich in den holstcGegenden Getreide in Menge wächst, die Stadt Caracas gleichwohl k ^den Verbrauch der neuen Staaten jährlich gegen 4N,00» Fässer Mehl a"Nordamerika einführt. — Die Industrie steht wiederum noch kststr hder Ackerbau: etwas Baumwollenzeng, wasserdichte Hüte, Stiefeln uRegenmantel werden im Lande verfertigt; in Gaduas sind einige Strhntfabriken; Lima liefert feine Töpferwaaren; Bogota und Quito stgen gute Gold- und Silberarbeiten, und die größeren Städte -cstnöthigsten Handwerker; die meisten Manufaktur- und Fabrikerzeugn