Buch 
6 (1844) Das amerikanische Staatensystem, das mohammedanische Staatensystem, die christlichen Staaten von Abyssinien, das buddhaistische Staatensystem und die Heidenwelt : nach den geographisch-statistischen Hauptverhältnissen / von Dr. Heinrich Berghaus
Entstehung
Seite
513
JPEG-Download
 

Amerika.

51 »

ab und hat daselbst von der Cerro de Pacaraima und Ucnrusiraan nur unbedeutende Anschwellungen. Die im O. hervortretende Küstemit den Kaps Sau Roque und Antonio ist größtenteils eben, und dasnördliche Uferlaud, bis zur Mündung des Marallon bildet den Randder uugeheüren Ebene, die in sanften Wellungen und nur hie und dadurch unansehnliche Hügelketten unterbrochen, sich bis zu den Andenwestlich zieht und das Gebirgssystem von Caracas von dem brasilische»trennt. Dieses unermeßliche Flachland besteht abwechselnd aus feüchtenüppigen Weiden oder Llanvö, aus kahlen steinigen Ebenen, undurch-dringlichen Waldungen und giftaushauchenden Sümpf.'N und kannnur auf den Gewässern durchdrungen werden, die gleich Nieseuaderndas Land nach allen Richtungen durchziehen und, dem Maranon zuströ-mend, unbenutzt ihre Fluchen dem Ocean zuwälzen. Unglaublich ist derWasserreichthum, der sich in diesen Waldgegenden des nördlichen Theilesvon Brasilien zeigt, und daher auch die dem Eürrpäer fast unbegreif-liche Triebkraft der Natur, die bei der hier nimmer mangelnden Wärmeder Atmosphäre die Pflanzenwelt mit einer Üppigkeit hervortreibt, diejede Schilderung weit zurückläßt: Pflanze drängt sich »eben Pflanze her-vor, in den mannigfaltigsten, lieblichsten und abenteuerlichsten Gestal-ten, und bedeckt nicht allein den Boden und die Gewässer, selbst die rie-sigen Baüme geben wieder einer Menge auf ihnen keimenden, sie um-schlingenden und in ihrer Rinde wurzelnden Gewächse» Nahrung; undwie die Pflanzenwelt, eben so reich sind Wälder und Gewässer an Thie-ren aller Art. Zahllose Krokodile und Kaimans, der ungeheüre Manati,Millionen von Schildkröten jeder Größe, Heerden vou Affen, reißendeThiere aller Art, ein unbeschreiblicher Reichthum von Geflügel und Fi-schen, eine Unzahl giftiger, schön schillernder Schlangen und danebenwolkenähnliche Schaaren quälender Insekten füllen Wasser, Luft undErde. Nur der Mensch lebt hier in geringer Zahl und kaum in etwasüber das Thier erhaben; meilenweite Strecke» durchirren kaum einzelneFamilien elender Wilder, und nur an den Ufern der Hauptströme findensich, durch weite Naüme von einander getrennt, eüropaische oder viel-mehr brasilianische Niederlassungen, deren Bewohner,, meist aber nurhalb civilisirte, getaufte Indianer, mit der übrigen Welt nur selten inVerkehr stehen. Die dort hausenden Jndiauerftämme gehören zur rohe-ften aller Menschenklassen, führen zum Theil ein fast thierisches Leben,reiben sich selbst im ewigen Kampfe unter einander auf, und bedrohenstets das Leben eines Jeden, der sich zu ihnen wagt. Dennoch hat diePolitik der ländersüchtigen Spanier und Portugiesen schon vor Jahrhun-derten in diesen Wildnissen ihre Grenzsteine gesetzt, und Gegenden, wo-hin nur unter Gefahren, welche Natur und Menschen drohen, der Fußoder vielmehr nur das Boot deS Europäers vordringen kann, wo aberNatur und Menschen noch keinen irdischen Herrscher anerkennen, habenschon zu diplomatischen Kämpfen und Blutvergießen Veranlassung gege-ben, die ihrem Besitzer, und wenn er die Kräfte von Millionen daraufverwenden könnte, nie einen Nutzen gewähren würden.

„ Die Bewässerung Brasiliens ist reich, sowohl an großen als kleinenmüssen, die den Gebirgen des Innern, zum Theil aber auch der großenAndenkette entströmen, und unermeßliche Flußthäler bildend, mit vielenFällen und Stromschnellen sich durch Brasilien ergießen. — Der Haupt-ltrvm des Staats im N. ist der Maraiion, Maranhao oder Ama-»vnenström, der von den Hochebenen der Anden 75v deutsche Meilen

Berghcme, Bd. IV. zz