Buch 
6 (1844) Das amerikanische Staatensystem, das mohammedanische Staatensystem, die christlichen Staaten von Abyssinien, das buddhaistische Staatensystem und die Heidenwelt : nach den geographisch-statistischen Hauptverhältnissen / von Dr. Heinrich Berghaus
Entstehung
Seite
516
JPEG-Download
 

516

Amerikanisches Staatensystem.

Pflanzenwelt in ihrer höchsten Vegetation. Die niederen Gegenden, wodie größte Hitze herrscht, dringen alle Süd-, Tropen- und Kolonialprv-dnkte West- und Ostindiens, und viele, andern Ländern ganz unbekannteFrüchte hervor: Orangen, GrenadiUen, Ananas, Guaveö, Cvcos, Aamö,Jambutikaba's, Mangv'S, Maniok, Pisang, Pfirschen gedeihen herrlich;Kaffee, Zucker, Baumwolle, Cacao, Tabak und Reis werden in größterMenge gebaut; der Anbau des Thee's ist mit Erfolg versucht worden;Farbehölzer, besonders das Fernambukholz, wird in ausgedehnten Wal-dungen ge/unden; Indigo in verschiedenen Theilen des Landes gebaut;Gewürze verschiedener Art, Pfeffer, Ingwer, Vanille undRoucou, China-rinde, Sarsaparille, Sassafras, Gummi, Harze, Balsame und Öle inMenge gewonnen. In den höheren, sowie in den nördlichen Gegenden,findet man die edelsten Holzarten, und darunter in den UrwäldernBaüme vom riesenhaftesten Umfang und unglaublicher Höhe, das herr-lichste Schiff6bauholz. Eine Menge dieser Baumarten find noch niewissenschaftlich bestimmt worden; die Palmen Brasiliens bieten einesolche Verschiedenheit als nirgends, und kaum die Hälfte derselben sinddem Naturforscher bekannt. In majestätischer Pracht stellen sich dieseUrmaldungen dein Beobachter dar: hier riesenhafte Baüme, deren mitBlumen bedeckte Kronen, durch Lianen und andere Schlinggewächse ver-bunden, undurchdringliche Gehege bilden, durch welche der Strahl derSonne kaum zitternd zu dringen vermag, dort andere, mit ewigem Grünbedeckt, in malerischen Gruppen, von rauschenden Bächen oder den spie-lenden Fluchen der See umgeben; und alle vom Gesang tansender i>nbuntesten Farbenschmuck prangender Vögel belebt. Die reichste Einbil-dungskraft und die lebendigste, vollkommenste Menschensprache ist unfä-hig, die Fülle des Reichthums und die Schönheit dieser Natur auch nurentfernt anzudeuten. — In den höher liegenden Gegenden, namentlich»ach Süden zn, gedeihen zugleich alle europäischen Früchte in größterÜppigkeit: Mais, Getreide, Hanf, Kartoffeln u. s. w, und es gibt über-haupt kein eüropäisches Gewächs, welches bei einiger Pflege in diese«"Boden und unter diesem Himmel nicht überschwenglich wucherte.

Gleich reich ist die thierische Natur in diesem paradiesischen Lande:Wallfische spielen um die lange Küstenstrecke, werden aber größtentheilSnur von nord-amerikanischen Wallfischfängern verfolgt. Auf dem Landeziehen Rinder und Pferde in Heerden von vielen tausend Stück in denEbenen herum; Schildkröten bedecken die Küste, Affen und Vögel vonallen Farben erfüllen die Wälder und die Luft mit ihrem Geschrei undGesang; Schwärme lästiger Muskiten, Termiten u. s. w. plagen d«eBewohner; gefährliche Schlangen, deren Stich oder Biß leicht den Todherbeizuführen vermögen, gibt es in Menge; die furchtbare Boa lauertim Schilf und hohem Grase auf ihre Beute, Alligator und Kaimanslauschen an den Ufern aller Gewässer, und in den Wäldern der amer^kanische Tiger und Löwe, und ähnliche Schrecknisse der Natur, mit denender Mensch kämpfen muß, und die daher gegen die Reize des Landesein starkes Gegengewicht bilden, das aber durch zunehmende Kultur unoBevölkerung beständig an seiner Schwere verlieren wird.

o. Das Volk.

Die Bevölkerung Brasiliens belauft sich gegenwärtig auf 5,43S,5^-nach andern Angaben auf 5,130,418 Seelen, es leben mithin auf jeoe