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2/2 (1839) Allgemeine Botanik III / von Gottl. Wilhelm Bischoff
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Den verschiedenen Arten der Füllung steht diejenige Mist»Bildung gegenüber, durch welche alle Blüthen eines Blüthcnstan-dcs oder der ganzen Pflanze verkümmern, und die zugleich miteiner widernatürlichen Entwicklung der Spindel und Blüthcnstieleverknüpft ist. Sie kommt vor bei dem im kultivirtcn Zustandeüberhaupt an Mißbildungen so reichen Gemüsekohl, bei wel-chem die Spindeln und Acstc der zahlreichen Blnthcnsträußc mitden völlig verkrüppelten, kleinen Blüthen fleischig werden undauf dem Gipfel des Stengels eine große Scheibe von weißlicherFarbe darstellen. Diese Mißgestalt ist der wohlbekannte und alsleckeres Gemüse geschazte Blumenkohl (Ikrasslca olernver» «doti-zstls Dr'/rn.), von welchem sich der gleichfalls als Speise be-liebte Spargclkohl oder Broccvli nur durch die in ein-zelne fleischige Sprossen aufgelöste Scheibe, die eben solche Knäuleverkümmerter Blüthcnknöpfc tragen, unterscheidet, wobei dieseKnäule noch mit weißer, gelber und violetter Färbung erschei-nen. Eine solche Mißbildung durch Verkümmerung der Blüthenzeigt auch die zuweilen in unfern Gärten vorkommende, aus Ita-lien hcrstammendc monströse M u s k h y a c i n t h c (Museue,

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culntu8 Um.), welche man für eine widernatürlich veränderteForm der schopfigen M u s kh ya ci n th c (Musoavl oomo-8um MrM.) hält, deren obersten Blüthen schon im normalen Zu-stande stets verkümmert vorkommen, und wo bei der genanntenForm auch alle oder doch die meisten der untern Blüthen der großenTraube verkümmern, indem zugleich die sonst einfache Spindelästig wird, mit einer Menge kleiner, schuppcnförmiger Bractccnsich bedeckt und durchaus eine schöne amethystblauc Farbe annimmt.

Bei allen bis jczt erwähnten Mißbildungen der Blüthe sa-hen wir in ihren höher» Cyklen die Organe noch nicht bis zur

entstanden war, ein Beweis, daß jene Drüsen nichts anders seynkönnen, als normal verkümmerte Staubgefäße, deren Staubfädenzu zweien jedesmal mit denen eines vollständigen Staubgefäßesverwachsen sind. Etwas Slehnliches scheint in den Blüthen ders p i n n e n t r ag e n d e n Ophrys (Oplu^n ru-auiter») vorgegan-gen zu seyn, welche 5?. Wydler (Archives üe Lolanlgue II. p. 310315 , tsii. 16 , 6 ». L. I) beschrieben und abgebildet hat, wo, stattdes sonst einzelnen, drei Staubgefäße sich entwickelt hatten.

Blswoff, Beton,?. U. Bande» -. THI. 2