Buch 
2/2 (1839) Allgemeine Botanik III / von Gottl. Wilhelm Bischoff
Entstehung
Seite
36
JPEG-Download
 

36

§. 233 .

Wenn wir nun noch einmal die Mißbildungen im engernSinne überblicken, so sehen wir sie bald nur an einzelnen Thei-len, oder durch einige oder alle Stufen eines Umwandelungscy-klus, jedoch auch nur an einzelnen Stellen (z. B. in einzelnenBlüthen) auftreten, bald aber über alle gleichnamigen Organe oderüber alle Umwandlungscyklcn von gleicher Art (z. B. über alleBlätter oder Blüthen) einer Pflanze sich erstrecken, wornach wir,in Bezug aus die denselben unterworfene Pflanze, partielle undallgemeine Mißbildungen unterscheiden können.

Sehen wir uns nach den Ursachen um, welche den Mißbil-dungen zu Grunde liegen, so erkennen wir deren zweierlei, äußereund innere. Der äußern Ursachen, welche mehr mittelbar aufdie Eutsielmng von Mißbildungen einwirken, gibt es gar man-cherlei. Es gehören dahin ein sebr nahrhafter Boden, Standorte,an welchen eine übermäßige Feuchtigkeit und Wärme, oft mitLichtmangel verbunden, herrscht, und vorzüglich die künstliche Ver-pflanzung und Kultur. Dabei wird noch in gewissen Zährenund Jahreszeiten durch eine vorherrschende feuchte und laue Wit-terung, welche überhaupt die vegetativen Funktionen der Pflanzesteigert, eine häufigere Erzeugung von Mißbildungen bedingt.Auch gewisse klimatische, und selbst manche (bis jezt noch nichtgenauer erforschte) örtliche Verhältnisse können hier begünstigendeinwirken, indem sich manche Mißbildungen (z. B. die des Blu-menkohls) nur in den mehr südlichen Ländern erzeugen, und anmanchen Pflanzen gewisse Mißbildungen überhaupt in der einenGegend häufiger, als in der andern vorzukommen scheinen.

Unter den inner» Ursachen steht eine gewisse Anlage derPflanzen oder ihrer Theile zur Annahme einer abnormen Bil-dung obenan. So findet man im Allgemeinen diejenigen Pflan-zen, welche einen mehr zusammengesczteu Bau besiüen, daher einehöhere Bildungsstufe des Gewächsreiches einnehmen, mehr zurErzeugung von Mißbildungen geneigt, als die einfachern Gewächse,und eben so treten die Mißbildungen zahlreicher in den Organender höhern Umwandlungsstufen, und hier wieder häufiger in denmehr zusammengesezten Cyklen auf. Darum finden wir bei denZcllenpflanzen nur höchst selten, dann bei den kryptogamischcn