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2/2 (1839) Allgemeine Botanik III / von Gottl. Wilhelm Bischoff
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Sinkt aber gar die Wärmcvcrmindcrung bis zur Frostkälteherab, so können noch weit schlimmere Zufalle eintreten. Am schäd-lichsten werden den Pflanzen die im Frühling eintretenden Spät-fröste, nachdem die erster» eben erst gekeimt, oder die Knospenihre Entfaltung begonnen, oder die Baume und Sträucher zublühen angefangen haben, weil dann die jungen Triebe getödtctwerden, wobei sie nebst ihren noch zarten Blättern gewöhnlicheine schwärzliche Farbe annehmen und wie vorn Brande befallenaussehen, daher man auch diese Erscheinung (freilich mit andern ähn-lichen, aber von ganz verschiedenen Ursachen herrührenden Zuständenvermengt) als trocknen Brand bezeichnet hat. Wenn dieBlüthen durch Frost gelitten haben, so ist der Bcfruchtungsaktoder doch die Fruchtreife unmöglich gemacht, und die nächste Folgeist die Unfruchtbarkeit der Pflanze für dieses Jahr. Ueber-haupt wird die Frvstkälte der Pflanze um so verderblicher, je mehrwässerige Säfte dieselbe enthält. Daher schaden die Herbstfröstein der Regel weniger als die Spätfröste des Frühlings, weil diePflanzen alsdann weniger verdünnte Säfte haben. Auch sind sieden Hvlzgewächscn weniger nachtheilig, wenn sie nach einem war-men, trocknen Sommer eintreten, weil dann die neuen Holzlagenbis zum Herbst sich gehörig ausbilden und verhärten konnten,während nach kühlen und feuchten Sommern, wo die Bildungdes Splintes weniger vollständig geschieht, ein früh eintretenderFrost das Erfrieren der jüngsten Splinttagen bewirken und diesogenannte Splintschwä ch e erzeugen kann. Ist dabei die Rindeund der Bast unversehrt geblieben, so bildet sich im nächsten Jahreeine neue Splintlage um den erfrvrncn Splint, welcher aber dochfrüher oder spater verdirbt und zwischen dem» gesunden Holze dieFrostklüste verursacht. Diese sind wieder zu unterscheiden vonden Froftspalten oder den Längsritzen, welche in der Richtungder Markstrahlcn im Stamm entstehen, gewöhnlich auch das Platzender Rinde verursachen, und so bis zur Oberfläche des Baumessich erstrecken. Weder die Frostklüfte noch die Spalten sind einemsonst kräftigen Baume tvdtlich, wenn sie nicht in Frostbeulenausarten, die durch ein Verderbnis) der Säfte in Geschwüre undselbst in den feuchten Brand übergehen, und so den Tod ver-ursachen können. Wenn aber überhaupt die Kälte so groß wird,daß auch der Bast und die innere Rinde erfrieren, so stirbt der