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2/2 (1839) Allgemeine Botanik III / von Gottl. Wilhelm Bischoff
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§. räi.

Don den bis daher erwähnten, krankhaften Zufällen, welchedurch das Benagen oder Auosaugen der Insekten bewirkt werden,sind »och die maunichfaltigen krankhaft monströsen Auswüchse zu un-terscheiden, die durch den Stich gewisser Insekten auf den Blätternund der Rinde krautiger Theile hervorgerufen werden, indem sievermittelst ihres Lcgcstachcls ihre Eier in das Parenchym derPflanze einführen, wo dieselben von den dadurch entstehendenAuswüchsen umschlossen werden, und die ausgckrochencn Larvenzugleich j» den lcztern ihre Nahrung finden.

Diese Afterbildungen, welche als Gallapfel und Fleisch-zapfen bekannt sind, und im Allgemeinen mit dem Namen derGallanSwüchse belegt werden können, nehmen häufig die Ge-stalt -ad Konsistenz von fleischigen Früchten an, wie dann auch dieden Aepfeln ähnlichen GallanSwüchse, welche in der Levante aufden Zweigen der äpfcltragcnden Salbei (8alvia pomi-loi'tt) vorkommen, wirklich genießbar lsind. Die GallanSwüchseüberhaupt entstehen nur durch eine krankhafte Wucherung desBlatt- und Rindenparcnchyms, verursacht durch die wiedcrna-türliche Erhöhung der Erregbarkeit des Zellgewebes an der durchden Insektenstich verwundeten Stelle, an welcher nun ein über-mäßiger Zufluß von Säften statt findet, in dessen Folge sich einezeitige Masse erzeugt, die zu einem der Pflanze von Natur frein-den Körper auf deren Oberfläche sich gestaltet. ES ist jedoch im-mer noch unerklärt, wie das Parenchym durch eine meist sounbedeutende Verwundung zu dieser sonderbaren Wucherung ve»anlaßt werde. Die GallauSwüchse bestehen nur auS Zellgewebe,sind anfangs weich, werden aber mit der Zeit oft sehr hart undholzig.

Merkwürdig ist es, daß jede Jnsektcnart eine eigene undsehr bestimmte Form von Auswüchsen erzeugt, welche sogar dannvv» einander verschieden sind, wenn sie auf der nämlichen Pflanze,ja auf dem nämlichen Organe vorkommen und von verschiedenen,si'lbst nahe verwandten Jnsektcnarten herrühren''). Daher kann man

') Auffallend ist es ferner, daS die Gallauswüchse vorzugsweise, wennnicht ausschließlich, auf dikvtyledonischen Pflanzen vorkom-men. Wenigstens ist mir nicht bekannt, daß solche an Mono-kvt-ledoneen und kryptogarnischeu Gefäßpflanzen