Buch 
2/2 (1839) Allgemeine Botanik III / von Gottl. Wilhelm Bischoff
Entstehung
Seite
108
JPEG-Download
 

— 108 —

Nahrungsstoffe den Pflanzen auf dem richtigen Wege und in derihnen angemessenen Menge zugeführt werden, beweisen auch dieVersuche mit den verschiedenen Gasarten. Der Stickstoff, SieKohlensaure und der Wasserstoff sind, in richtigem Ver-hältnisse im rohen Safte aufgelöst, den Pflanzen gedeihlich undsogar zu ihrem gesunden Wachsthum mehr oder minder noth-wendig; sie werden denselben aber schädlich, so bald man sie inäußerliche Berührung damit bringt, indem man nämlich die Pflan-zen zwingt, in diesen Gasarten zu athmen; denn die Gewächsekönnen ihrer natürlichen Bestimmung nach nur in der atmo-sphärischen Luft die ihnen nothwendige Respiration vollführen.Darum werden sie auch eben so, wie die warmblüthigen Thiereim reinen Sauerftofsgas sterben, das ihnen doch, als Bestand-theil der atmosphärischen Luft und im richtigen Verhältnisse dar-geboten, selbst zum Athmen unentbehrlich ist. Alles Gute imUebermaße schadet den Pflanzen, wie den übrigen organischenWesen; wenn also schon ihre gewöhnlichen Nahrungsstvffe, imUebermaße denselben dargeboten, mancherlei Krankheiten und selbsteinen frühzeitigen Tod herbeizuführen vermögen, wie viel ehermuß dieses nicht von andern, nicht zur gewöhnlichen Nahrungder Pflanzen gehörigen Stoffen geschehen?

Bemerkenswert!- ist der von mehreren Beobachtern angege-bene Unterschied, welcher sich bei der Einwirkung der schädlichenStoffe in Bezug auf die verschiedene Tageszeit erkennen läßt.Wenn nämlich diese Stoffe durch die Wurzeln aufgenommen wer-den, so zeigt sich ihre Wirkung bei Tage und im Sonnenscheinweit mächtiger und rascher als bei Nacht,; während die dampf-und gasförmigen Stoffe, welche durch die Blätter aufgenommenwerden müssen, während der Nacht ihre kräftigste Einwirkungäußern. Pflanzen, welche in eine mit Chlor oder Andern schäd-lichen Gasarten gemischte atmosphärische Lust eingeschlossen wer-den, leiden (nach Macaire's Versuchen) den Tag über nichtmerklich, aber während der Nacht sterben sie darin. Diese Erfah-rungen stehen indessen ganz mit den allgemein bei der Ernährungund Assimilation stattfindenden Erscheinungen in Einklang, undgeben zugleich einen weiter» Beweis, daß bei Tage und im Son-nenlichte hauptsächlich die Einsaugung durch die Wurzeln und dieAusdünstung und Aushauchung durch die Blätter und übrigen